Wer hat Angst vor weißer Leinwand? (Teil 1)

Wer Angst vor weißer Leinwand hat, soll sie doch farbig bemalen – so einfach ist das! Wo liegt bitteschön das Problem?!
Spaß beiseite – hat da draußen tatsächlich noch jemand Angst von einer leeren Leinwand? Stellt sich noch jemand die Fragen:   Wie soll ich anfangen, was soll ich malen? Am vergangenen Wochenende haben wir solche Fragen hinter uns gelassen und einen entscheidenden Schritt zur Bewältigung aller hemmenden Situationen beim Malen getan – der Angst vor leerem Blatt haben wir den letzten Schlag verpasst!
Unser Vorhaben war, im Kleinformat der Skizze durch Farb- und Formspiele eine klare bildnerische Sprache zu finden. Schon am Samstag war unser Ideen-Füllhorn randvoll!

P.S. Dass wir viel Spaß miteinander hatten, vorzüglich gegessen und auch viel Quatsch gemacht haben, muss nicht besonders betont werden – denn die vorherrschene Philosophie in unserem Atelier lautet bekanntlich: die Freude am Malen = die Freude am Leben!

Fortsetzung folgt …


 

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Wer will schon die zweite Geige spielen?

Das Problem des Hintergrunds in der figurativen Malerei taucht immer wieder auf – wie behandelt man Flächen, die in einer Komposition eine “Nebenrolle” spielen? Letzte Woche haben wir dieses Thema exemplarisch in den Bildern von Tatjana behandelt. Hier drei Arbeitsstufen, in denen nur der Hintergrund bearbeitet wurde.
Der Hintergrund wirkt gegenüber den Flächen, die Obst darstellen, sehr “flach.”

Wir suchen eine Farbkomposition, die alle Flächen berücksichtigt …
Das gesamte Bild (alle Gegenstände und Flächen) wirkt nun viel plastischer …
Ein paar Farbakzente, und der Hintergrund hat seine eigene, den anderen Formen ebenbürtige Aussagekraft gewonnen.
Tatjana war über Faschingsferien sehr inspiriert und hat viele wunderbare Arbeitsproben zur Besprechung gebracht. Besonders haben sie die Bilder von Cézanne beeindruckt. Aber was macht sie so “plastisch” und so tief? Die Antwort liegt auf der Hand: Alle Flächen sind mit gleicher Aufmerksamkeit behandelt worden! Hier eine Auswahl Tatjanas Bilder und Zeichnungen.

Wir haben uns die Bilder auch bezüglich des Verhältnisses der Form- bzw. Flächengrößen (HIER mehr darüber) angeschaut.

Hilfreich war uns auch dieses Mal der Themenfundus unseres Blogs …
Eva hat den Beitrag, in dem das Thema schon behandelt wurde, gleich gefunden. (Zum Glück hat sie ihr Tablet stets dabei …)

 

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Muss das Komplexe kompliziert sein?

Zu den Grundlagen der bildnerischen Gestaltung gehören auch manche ganz einfache aber sehr wirkungsvolle Spielregeln, die belegen, dass die meisten komplexen Sachen in der Malerei eigentlich nicht kompliziert sind. Aufmerksamkeit auf das Verhältnis zwischen großen und kleinen Flächen bzw. Formen in einer Komposition zu lenken, gehört dazu. So kann die Suche nach Ausdruck erheblich erleichtert werden! Einige Atelierbesucher*innen haben sich in letzen Tagen damit etwas tiefer auseinandergesetzt. Hier zwei Beispiele.


Ingrid versuchte immer wieder, die Spannung in ihr Bild zu bringen. Schwung, Energie und die Raumwirkung der Formen sind schon da, aber irgendetwas fehlt …
Hier hat sie angefangen, die Formgröße gezielt zu variieren. Das Bild ist interessanter geworden!
Erst in einem weiteren Bild – nachdem sie sich von der schlagartigen Wirkung dieses einfachen Spiels überzeugt hat – kam die richtige Lösung! Den aussagekräftigen komplexen Raum- und Farbkompositionen liegt meistens ein einfaches Gestaltungsprinzip zugrunde.
Es geht aber noch “einfacher”! Eine weitere Möglichkeit, vielschichtige bildnerische Erzählungen zu gestalten, ist, die (fast) gleich großen Flächen einfach nach Farbe zu gruppieren. Schaue man sich die einzelnen Farben im Bild von Julia genauer an, sieht man, dass die Farbfelder dezent gruppiert sind. Blaue Pinselstriche kommen mehr rechts im Format vor, schwarze sind in der linken Hälfte und weiße mittig gruppiert. Wenn man nur die roten Punkte betrachtet, sieht man eine Schleife, die alle Farbbereiche verbindet. Das Atmosphärische Wirkung des Bildes ist wohlstrukturiert.

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Im Naturreservat der Farben

Das neue Bildprojekt von  Eberhard  ist wie ein Ausflug in ein wundersames “Naturreservat”, in dem die selten gewordenen, natürlichen, frei sprießenden und frei wuchernden Farbwesen frei leben dürfen. Man muss aufmerksam sein, um Eberhards Streifzüge durch die Farbwelten seiner Fantasie überhaupt bemerken zu können! Denn er steht ruhig und genügsam vor seiner Staffelei und vertieft sich still und konzentriert ganz in seine Arbeit. In unserem Abendkurs am Donnerstag ist er dafür natürlich bekannt – hier ein paar Momentaufnahmen seiner Malerei für die Blogleser.

Die Formen entwickeln sich aus dem “Gestrüpp” der zügig gezogenen Pinselstriche. Auch die Farben harmonisieren im und durch den Malprozess – aufgrund vielfältiger Überlagerungen. Die Detailaufnahmen (s. u.) verraten wie spontan und intuitiv die Formen und Farben entstehen …


 

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Mit Fingerspitzengefühl spachteln

Die Struktur als ein wesentliches gestalterisches Mittel der Malerei gehört zu den Hauptforschungsfeldern in unserem Atelier. Interesse dafür ist groß, auch für dieses Wochenende hatten wir, wie so oft, viele Interessenten auf der Warteliste. Wenn ich Zeit finde, werde ich noch während des Winters einen Zusatzkurs mit diesem Thema anbieten … Man kann sich bis dahin die älteren Beiträge zu diesem Thema anschauen (zum Beispiel HIER).
Und was haben wir dieses Mal gemacht? Wir haben schöne Zeit miteinander gehabt! Es wurde gemalt, gespachtelt und gekleckst, es wurde diskutiert, Kaffee getrunken und Kuchen gegessen, Bilder wurden betrachtet und besprochen. Auch von unserem Sofa haben wir fleißig Gebrauch gemacht, wo wir die aktuelle Welt- und Wetterlage behandelt haben.  Im Dezember machen wir weiter …!

Das erste Struktur-Bild von Karin. Sorgsam gestaltete Fläche und ein paar Lasurschichten … Das Ergebnis lässt sich sehen!

Christa hat in ihrem Bild ein Fenster als Motiv behandelt. Scharfe Lichtkeile, körnige Schatten, farbige Struktur … und die Sonne des Mittelmeers! Bravo!

Anna hat ihr Bild zunächst ohne Farbe komponiert. Mit dem Bindemittel und Kreidepulver hat sie die Fläche mit Strukturen parzelliert und dann, mit wenig Farbe, eine starke Wirkung erzielt …

Einmal Struktur, einmal Lasur – und das Ergebnis beeindruckt schon sehr! (ein Bild von Jutta)

So sah das Bild von Jutta am Ende des Kurses aus …

Das Zusammenspiel der Linie und Struktur blieb das Hauptthema des Bildes von Andrea. Keine weiteren Farbschichten? Das sehen wir im nächten Kurs …

Im zweiten Bild von Andrea ging es dann um Stimmung und Atmosphäre – ein tolles Bild!

Silke hat in ihrem Bild sehr feine Texturen gesucht. Eine fröhliche Patina und die Farben, die über die Flächen zu schweben scheinen …

… Fortsetzung folgt!

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Im Flow

Heute zeige ich euch ein paar Werke aus einer Sphäre der Gestaltung, die sich zwischen Konzentration, Überlegung, Zufall und Intuition verorten lässt. Man spricht hierbei oft vom “Flow”. Und tatsächlich – wenn uns das Malen richtig Spaß macht, scheint alles wie im Strom eines Flusses zu geschehen.  Wenn wir es loslassen und uns beim Malen vom “Bauchgefühl” leiten lassen, entstehen oft wunderbare Bilder, die  viele neue Möglichkeiten öffnen, eine eigene Ausdrucksweise zu finden.  Vor allem für die Anfänger bietet diese Art der Arbeit den besten Einstieg in die Kunst der Malerei (wobei die zweite Säule der Gestaltung immer das Handwerk bildet). Schauen wir uns die Werke an.

Das Bild von Angelika – die sich als “blutige Anfängerin” sieht – ist ein Paradebeispiel, wie aus dem Kunstspiel eine lustige, aussagekräftige bildnerische Erzählung entstehen kann! Farbe auftragen, Formen erkennen, neue dazu malen, Überflüssiges / nicht Gelungenes abschwächen, bzw. übermalen …

Aus mehreren Farbschichten taucht auf einmal ein Gesicht auf. Rodica hat es skizzenhaft angedeutet. Was ihm allerdings den tatsächlichen Ausdruck gibt, ist die Farbatmosphäre der vielen Schichten …

Frauke ist schon eine Flow erfahrene Künstlerin. Sie hat für ihre Kunst bereits eine klare bildnerische Sprache entwickelt, die das Fragmentarische ihrer Skizzen in eine wunderbare Erzählung einbeetet.

Das Spontane und das Intuitive im Arbeitsprozess erschließen immer neue Spielwiesen für Fantasie und Freude. Farb- und Formfelder mehr “zulassen” als in das Bild hineinzuprojizieren, macht ein abstraktes Bild frischer, offener für Deutungen.

Das Bild von Wiltrud ist noch nicht fertig, aber das Ausgewogene einer konzentrierten Suche nach Ausdruck gepaart mit einer “luftigen”, ergebnisoffenen Dimension der Arbeit bewirkt, dass uns das Werk ein wahres bildnerisches Tanzprogramm vorführt.

Zunächst eine inhalt- und strukturreiche Fläche herstellen und dann die Fantasie spielen lassen – eine Spezialität von Beate!

Gabi wollte eigentlich etwas ganz anders malen (ein architektonisches Fragment). Aber die Farben und Formen wollten dabei einfach nicht mitmachen. Entstanden ist ein Werk, das weder geplant wurde noch geplant werden konnte! Es ganz zuzulassen ist auch hier eine richtige Entscheidung.


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