Muss das Komplexe kompliziert sein?

Zu den Grundlagen der bildnerischen Gestaltung gehören auch manche ganz einfache aber sehr wirkungsvolle Spielregeln, die belegen, dass die meisten komplexen Sachen in der Malerei eigentlich nicht kompliziert sind. Aufmerksamkeit auf das Verhältnis zwischen großen und kleinen Flächen bzw. Formen in einer Komposition zu lenken, gehört dazu. So kann die Suche nach Ausdruck erheblich erleichtert werden! Einige Atelierbesucher*innen haben sich in letzen Tagen damit etwas tiefer auseinandergesetzt. Hier zwei Beispiele.


Ingrid versuchte immer wieder, die Spannung in ihr Bild zu bringen. Schwung, Energie und die Raumwirkung der Formen sind schon da, aber irgendetwas fehlt …
Hier hat sie angefangen, die Formgröße gezielt zu variieren. Das Bild ist interessanter geworden!
Erst in einem weiteren Bild – nachdem sie sich von der schlagartigen Wirkung dieses einfachen Spiels überzeugt hat – kam die richtige Lösung! Den aussagekräftigen komplexen Raum- und Farbkompositionen liegt meistens ein einfaches Gestaltungsprinzip zugrunde.
Es geht aber noch “einfacher”! Eine weitere Möglichkeit, vielschichtige bildnerische Erzählungen zu gestalten, ist, die (fast) gleich großen Flächen einfach nach Farbe zu gruppieren. Schaue man sich die einzelnen Farben im Bild von Julia genauer an, sieht man, dass die Farbfelder dezent gruppiert sind. Blaue Pinselstriche kommen mehr rechts im Format vor, schwarze sind in der linken Hälfte und weiße mittig gruppiert. Wenn man nur die roten Punkte betrachtet, sieht man eine Schleife, die alle Farbbereiche verbindet. Das Atmosphärische Wirkung des Bildes ist wohlstrukturiert.

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