Kunst und Geld


Immer wieder komm das Thema “Kunst als Ware” in unserem Atelier vor. Oft hören wir über ungeheuere Summen, die füe ein Kunstwerk gezahlt werden, oft gewinnt ein Werk unsere Aufmerksamkeit nur, weil er auf dem Kunstmarkt “hoch gehandelt” wird. Handelt es sich tatsächlich nur um Macht, PR, Geldwäsche, Mode und Lifestyle? Wer sich mit diesem Thema etwas tiefer beschäftigen möchte, kann das kleine Buch “Kunst und Geld” vom Walter Grasskamp zu Rate ziehen.



Walter Grasskamp ist ein erstklassiger Kunstschriftsteller. Wie nur wenige seiner Zunft hat er die Gabe, für ein breites Publikum schreiben zu können, ohne dabei sein Anliegen zu verwässern. Er formuliert elegant und präzise, belegt seine Behauptungen und hält seine Ausführungen erfreulich knapp. In Kunst und Geld untersucht er, ob und in welchem Maße die “reine” Kunst von der Berührung mit dem “unreinen” Geld Schaden nimmt.


 

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Ein Kunstkabinett-Krimi

Winterzeit ist Lesezeit! Wer einen guten Lesestoff sucht, in dem auch Kunst behandelt wird, dürfte hier fundig werden: Heute möchte ich euch einen ganz besonderen Roman vorstellen, der erstaunlicherweise immer noch ein Geheimtipp geblieben ist:
Ein Kunstkabinett
vom französischen Schriftsteller Georges Perec

Euer Lesestoff für die langen Winterabende …

Ein Kunstkabinett” ist ein Roman – oder vielmehr eine romaneske Erzählung – über Täuschung und Fälschung, über Illusion und Wirklichkeit, über Ehrgeiz und Gier, kurzum: über das Theater um den Fetisch namens »Kunst«.weiter lesen

Von diesem in vieler Hinsicht einzigartigen Autor wird hier noch die Rede sein – er hat weitere bedeutende, amüsante und wundersame Bücher geschrieben, die zahlreiche Vertreter der sog. Konzeptkunst beeinflusst haben. Hier ein paar Eckdaten.
Georges Perec, 1936 geboren, wurde – nachdem sein Vater im 2. Weltkrieg gefallen war und seine Mutter nach Auschwitz deportiert wurde – von seinem Onkel und seiner Tante adoptiert. Trotz dieser traumatischen Erlebnisse stellt seine künstlerische Arbeit eine einzigartige und bunte Spielwiese für vielfältige, lustige, humor- und witzvolle Sprachexperimente dar. Nichts scheint ihn dabei abschrecken zu können. So schrieb er einen Roman, in dem nur Wörter ohne Buchstabe “e” vorkommen, um nur ein Beispiel zu nennen. Das Bemerkenswerte daran: Alle seine Werke funktionieren trotz seiner z. T. wilden Sprachartistik einwandfrei! Der Künstler prallt nicht mit seiner überlegenen Artistik, das unbändige Spiel mit literarischen Formen und sprachlichen Möglichkeiten ist nicht zur Schau gestellt! Das war diesem Künstler zu banal, zu “prosaisch” gewesen … Umso mehr freut sich der Leser, wenn er auf einmal merkt, dass der Textaufbau einem hochkomplexen Muster folgt, das dem Werk eine völlig neue Dimension verleiht. Es hängt also ganz vom Leser ab, auf welcher der vielen Leseebenen er die Werke “wahrnehmen” möchte. Aber keine Angst – die Bücher dieses Autors sind auch auf der Ebene der “Mainstreamliteratur” sehr unterhaltsam, stets originell und auf eine subversiv subtile Weise gesellschafts- und kulturkritisch. Georges Perec starb 1982 in Ivry-sur-Seine.

In Frankreich ist Perec eine Literaturikone, man hat ihn auf einer Briefmarke verewigt …


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Die Architektur der Zerbröselung

Beate förderte mich neulich auf, im Blog wieder eine Buchempfehlung zu geben. Nun mache ich sie – und zwar eine ganz besondere! Denn ich darf heute mein eigenes Buch empfelen! Seit gestern, druckfrisch, liegt es vor.

DIE ARCHITEKTUR DER ZERBRÖSELUNG
Über die paradoxe Unverwundbarkeit der Schönheit

Der Untertitel verrät, worüber ich geschrieben habe. Die Schönheit – ein Thema, das mit Kunst und Malerei einiges zu tun hat …
Hier der Klappentext.

Der Autor zog sich während der Sommermonate des Jahres 2013 in seinen Garten, ein kleines Naturrefugium inmitten der schwäbischen Hauptstadt, zurück, um ein wahrhaftig gewagtes »avantgardistisches« Unterfangen zu beginnen: Er wollte nicht weniger, als ein für alle Mal das Rätsel der Schönheit zu lösen. Aber damit nicht genug! Der Avantgardekünstler möchte seinem Unterfangen noch eine literarische Probe beifügen, die das Geheimnis der Schönheit lüftet und zugleich artistisch demonstriert. weiter lesen

Das Buch ist im Verlag Edition Randgruppe erschienen und ist – außer dort und im Buchhandel – exklusiv für die Blogleser auch hier erhältlich! Ihr könnt es formlos per E-Mail (atelier@mislissippi.com) bei mir bestellen oder in unserem Atelier direkt erwerben.

Die Architektur der Zerbröselung
190 Seiten;  Softcover;  Euro 14,-
ISBN 978-3-9816926-3-1

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– HOMO LUDENS

Neulich ermahnte mich Beate, dass ich schon lange keine Literaturempfehlung gegeben habe.
Als ich dann – um das Versäumte nachzuholen – vor meinem Bücherregal nachgedacht habe, welches Buch ich nun vorstellen soll, fiel mein Blick auf  »Homo Ludens«  von Johan Huizinga.  Sofort fragte ich mich, wie könnte es sein, dass ich ausgerechnet dieses Werk bisher noch nicht besprochen habe!  Jeder Maler unsers Ateliers hat mich das Wort »Spiel« im Zusammenhang mit der bildnerischen Gestaltung schon unzählige Male aussprechen gehört.  Das Spiel und die Kunst sind so ineinander verwebt, dass man fast von Synonymen sprechen kann. Ist ein Kunstwerk überhaupt möglich, ohne dass der Künstler auf irgendeine Art und Weise mit seinen Mitteln und seinem Thema spielerisch umgeht? Nicht umsonst sagt man, dass man mit Gedanken spielt, wenn man etwas Neues überlegt. Man experimentiert, indem man mit neuem Material spielt. Kann man überhaupt eine neue Bildidee entwickeln, ohne Farb- und Formspiele zu betreiben? Spiel ist in der bildenden Kunst einfach allgegenwärtigAber wo kommt das her, warum spielen wir eigentlich?

Johan Huizinga, Homo Ludens: Vom Ursprung der Kultur im Spiel (hier eine kroatische Luxsuzausgabe, auf Deutsch kann man das Buch sehr günstig antiquarisch besorgen … z. B. bei https://www.booklooker.de/)

Das Buch »Homo Ludens«, das den Untertitel  »vom Ursprung der Kultur im Spiel«  trägt, ist ein kulturgeschichtliches Standard- und Schlüsselwerk zum Theman “Spiel”. Für Huizinga ist das Spiel kulturstiftend, alle Bereiche unserer Kultur, wie Politik, Wissenschaft, Religion, Recht usw. haben sich ursprünglich aus spielerischen Verhaltensweisen herausgebildet und in unserer Gesellschaft über die Zeit durch verschiedenartige Ritualisierungen als feste Institutionen etabliert. Diese These ist mit zahlreichen Beispielen illustriert, der Text im Allgemeinen ist allerdings relativ anspruchsvoll …
Man mag sich heute wundern, dass ein Buch über das Spiel ausgerechnet im Kriegsjahr 1939 erschienen ist. Der Autor wusste allerdings, dass aus Spiel auch »heiliger Ernst« entstehen kann, denn, wenn sich eine Verhaltensweise einmal verfestigt hat, ist sie nicht mehr leicht zu ändern und begann einen Zwangscharakter anzunehmen. Huizinga war keineswegs naiv, er behandelte in seinem Buch auch den Krieg und wusste ganz genau, was im Europa jener Jahre vor sich ging. 1933 verweigerte er – als Rektor des Leidener Universität – dem deutschen Nationalsozialisten Johann von Leers den Handschlag und schloss wegen antisemitischen Äußerungen sogar eine ganze deutsche Delegation von einer internationalen Tagung kurzerhand aus (, was ihm die Kriegsjahre in der besetzten Niederlande zur Hölle machte – er starb 1945 kurz vorm Kriegende).
An dieser Stelle kann ich es nicht lassen, auch ein weiters Buch vom gleichen Autor zu empfehlen. Sein großes Werk »Herbst des Mittelalters« sollte nach meiner Meinung jeder bildungsinteressierte Mensch lesen …

 

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Die Meister der Raumfaltung Teil 4

Heute stellen wir zwei weitere Meister der Raumfaltung vor – Beate und Kerstin!  Während Kerstin ihr Bild noch im Kurs fertig gemalt hat, vollendete Beate ihre Arbeit erst neulich zu Hause.  Zwei sehr schöne, mit viel Gefühl und Aufmerksamkeit ausgeführte Werke!

Raumfaltungen von Beate …

Beates Bild ist besonders schön in der spielerischen “Linienführung” und in den mittleren Tonwerten der rötlichen Lichtbrechungen. Das Ergebnis sind eine starke plastische Wirkung und eine kunstvoll fließende “Formkaskade” …


Raumfaltungen von Kerstin …

Die Raumfaltungen von Kerstin strahlen durch ihre stimmungsvolle Farbgebung eine geradezu hypnotische Ruhe aus – ein sanfter Glanz des Stoffes und ein zartes Licht, das selbst in den dunkelsten Schatten zu leuchten scheint …


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Bezüglich der Arbeitsstimmung, in der Beate zu malen pflegt, hat man schon von einer “epischen Gemütlichkeit” geredet. Das Gleiche gilt auch für Kerstin, die einen ganzen Kurs (12 Termine) für ihre Arbeit verwendet hat!  … Die Bezeichnung “epische Gemütlichkeit” stammt übrigens von Aaron Gurjewitsch, dem berühmten russischen Mediävisten, der mit diesen Worten die Gemütslage des Mittelalters beschrieben hat – und somit die gängige Vorstellung von einem “dunklen” Mittelalter als unhaltbar entlarvte. (Die Vorlagen für die beiden Bilder stammen übrigens auch aus dem Mittelalter – bei Beate ein Bildausschnitt vom Genter Altar Jan van Eycks, bei Kerstin ein Bildausschnitt eines Mariabildnisses des gleichen Künstlers).  An dieser Stelle würde es zu weit führen, den Kontext zu erläutern, aber wer Näheres über die epische Gemütlichkeit erfahren möchte und ein gutes, unterhaltsames Buch sucht, empfiehlt sich Gurjewitschs Werk Stumme Zeugen des Mittelalters: Weltbild und Kultur der einfachen Menschen.”


Das Buch eignet sich hervorragend als (geistig nahrhafte) Sommerlektüre. Antiquarisch für 4 – 5 Euro zu haben …!


 

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Buch im Gespräch: Eugène Delacroix – Mein Tagebuch

Neulich in einem Workshop haben wir “Mein Tagebuch” von Delacroix kurz besprochen. Hier ein paar Notizen über das Buch, das immer noch sehr lesenswert ist.


Eugène Delacroix, »Mein Tagebuch«, Diogenes 2008 – zur Zeit nur antiquarisch zu beziehen … (z. B. bei Booklooker)


Eugène Delacroix – einer der bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts und ein wichtiger Wegbereiter des Impressionismus – hat über vierzig Jahren Tagebuch geführt. Darin behandelte er praktisch alle für die Malerei und die Kunst seiner Zeit – und natürlich darüber hinaus – relevante Themen. In seinem Buch finden wir Gedanken über Skizze, Pinselführung, Glanzlicht, Illusion, Schatten, Kontur, über die Nachahmung der Natur und die Benutzung des Modells, über Autoritäten, Realismus, Antike, Freskomalerei, Kupferstich, Kopie und Kopieren – um nur einige zu nennen …

Er reflektiert über seine eigene Arbeit und notiert Impressionen über die Malerei seiner und vergangener Zeit, behandelt u. a. Michelangelo, Rafael, Rembrandt, Tizian, Ingres, Courbet, Poussin, Géricautl … Außerdem berichtet er von Begegnungen mit den anderen Künstlern, Musikern, Schriftstellern wie Chopin, Balzac, Stendhal, George Sand, Dumas und Baudelaire.

Da die Texte nicht für eine Publikation gedacht waren und dem eruptiven Künstler nur als »ein Mittel zur Beruhigung der Emotionen« dienten, sind sie für uns auch aus einem anderen, literarischen Grund interessant: Wie in seiner bildnerischen Arbeit begegnen wir auch hier einen Liebhaber – und einen Meister! – der Skizze und des Skizzenhaften! Delacroix schrieb seine Gedanken, Eindrücke und Eingebungen oft »auf dem Sprung« auf irgendeinem Stück Papier, das gerade zur Hand war, korrigierte und ergänzte sie dann später ganz so, wie er aus seinen schwungvollen »Croquis« Bilder entwickelte.

Das Buch eignet sich hervorragend für alle, die über Malerei und Kunst soz. aus erster Hand erfahren möchten und zugleich Praktisches für die eigene Arbeit erfahren wollen.


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