Das Schöne und die Kunst


Worüber reden wir eigentlich, wenn wir über das Schöne reden, wie bilden wir ein Schönheitsurteil? Hat das Schöne überhaupt etwas mit der Kunst zu tun und wenn ja, seit wann?
Diese Fragen haben wir uns am vergangenen Sonntag in meinem Garten am Scharrenberg gestellt. Der Anlass dafür war die Geburtstagsfeier von Else, die eine “Ästhetikvorlesung” des Ateilerhausmeisters unter dem Titel “Das Schöne und die Kunst“* zum Geburtstag geschenkt bekommen hat.
Und was machen nun die Kunst und das Schöne, wenn sie zusammen kommen? Es ist wie in einem Märchen!  In dem berühmten Volksmärchen “Die Schöne und das Beast” verwandelt sich, wie wir wissen, das Ungeheuer am Ende der Geschichte – zur Freude der schönen Frau – in einen schönen Prinzen. In dem Vortrag verlief es auch mit der Kunst ähnlich, bloß umgekehrt – anfänglich mit Schönheit gepaarte europäische Kunst (Antike) verzichtet am Schluss (Aufklärung, Moderne) auf sie als ihr leitendes Attribut. Das “Kunstmärchen” endet mit einer konfliktreichen, dramatischen aber auch amüsanten und bunten Scheidung:  “Die Schöne” verlässt “den Prinzen”, weil er notorisch gern im Dreck wühlt – und findet mühelos gleich mehrere neue Verehrer und Liebhaber; den Modemacher und den Trendsetter, den Produktdesigner und Innenarchitekten, den Fitnesstrainer … und natürlich den Jungmacher der Welt – den Schönheitschirurgen.
Und der Künstlerprinz, was macht er nun verlassen und allein, ist er währenddessen ein von Eifersucht und Selbszweifel zerrissenes Ungeheuer geworden, schmiedet er Rachepläne? … Das erfahren wir in dem zweiten Tel des Vortrags.

Atelierhausmeister in seinem Element …

Auch Beate war im Garten dabei und hat darüber einen sehr schönen, poetischen Beitrag geschrieben. Vielen Dank dafür!

Ein Nachmittag im Garten
Vergangenen Sonntag hatten einige Malschüler die Gelegenheit, Željkos Kleinod – seinen wunderbar verwunschenen Garten am Degerlocher Scharrenberg – kennenzulernen.
Anlässlich einer Geburtstagsnachfeier durften wir – kuchenkauend und mit unseren Kaffeebechern in greifbarer Nähe – eintauchen in eine Welt üppiger floraler Vegetation, urig terrassiert in die Hanglage eingebettet, die uns im Laufe des Nachmittags auch detailiert erklärt wurde. Junge vitale Weinreben erobern sich ihr Territorium unter einem Dach aus betagten Ästen flechtenbewachsener Obstbaumsenioren. Apfel- und Birnbäumchen im Kindergartenalter suchen noch nach ihrer Wuchsform. Daneben kräftige Minzehorden, die sich pudelwohl am Platze fühlen; stoische Johannisbeersträucher, die nichts so leicht aus dem Gleichgewicht bringt, ebenso wie Vertreter der Gattung Stachelbeere. Auch die Gemüsefraktion kann sich nach Herzenslust entfalten, Brokkoli, Rote Bete, Paprika, Tomaten … nebst Kartoffeln … Einige Vertreter der rot-grünen Gemüsefraktion konnten wir gleich vor Ort als Salat genießen – farbvoll garniert mit essbaren Blütenblättern. Besonders das rot-weiß geringelte Innenleben der Roten Bete begegnet einem nicht alle Tage.
Und hie und da am steilen, schmalen Wegesrand gedeihen junge Rosen in verschiedenfarbiger Blütenpracht – im Wettstreit mit der Blühfreudigkeit von Winden und Wicken und anderem Wiesengewächs, das hier keine Angst haben muss, vorzeitig abgemäht und ausgemerzt zu werden.
Als Sahnehäubchen für die freudig interessierte Kunst- und Kulturseele durften wir alsbald einem Vortrag unseres Kunstdozenten lauschen zum Thema ‘Schönheit aus philosophischer Sicht’, angefangen bei Sokrates, Plato, Aristoteles und Plotin. Da solche Betrachtungen niemals in kurzer Zeit abgehandelt werden können, erfordert der Bogenschlag bis in die Moderne wohl einen weiteren Termin! Gerne wieder an selbiger Lokalität!
Vielen Dank Željko und Saša für die Einladung und Bewirtung in einem kleinen Paradies!
Liebe Grüße Beate

Die Fragen, ob die Kunst schön sein müsste / sollte / dürfte, mögen ungeklärt bleiben. Dass unser Treffen wunder-schön war, steht dagegen fest 😉
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* Damit Irrtümer ausgeschlossen bleiben:  Ein Werk mit dem ähnlichen Titel wie der Vortrag, “Über das Schöne und die Kunst” von Friedrich Schiller, wurde im Vortrag nicht behandelt.

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Farbkompositionen, Fledermäuse und ein Konzert

Über den Workshop am vergangenen Wochenende berichtet Beate.

Die grauen und die bunten Felder

Das Wochenende 14. und 15. April stand in unserem Atelier ganz im Zeichen der Grautöne – in Kombination mit weiteren Farben.

Eine weiße Fläche wurde durch unregelmäßige vertikale Linien in verschieden breite Segmente unterteilt. Hier und da aufgelockert durch leicht diagonal verlaufende Linien. Die so entstandenen Bereiche wurden nun mit Farbblöcken gefüllt, wobei verschiedene Graustufen mit Abstufungen anderer Farben in eine Art Dialog gebracht wurden. Raumgreifende Felder neben schmalen Streifen, treppenförmige Farbverläufe neben offenbar wahllos angeordneten Farbstufen. Diagonal verlaufende Unterteilungen neben kerzengeraden Farbbegrenzungen.
Bei der Bildbesprechung am zweiten Tag war es interessant zu sehen, welche Anordnungen und Gegenüberstellungen der Farbtöne eine interessante Szenerie ergeben, wie Dynamik und Tiefe entstehen kann – oder eben auch nicht so sehr.
Ähnlich wie die Anordnung von Feldern und Hell – Dunkelabstufungen beim Zeichnen mit Bleistift, hatte auch diese Übung einen ungemein meditativen Begleiteffekt. Da wir diesmal eine kleinere Gruppe waren hatte auch jeder viel Platz. um seine ganzen Utensilien um sich herum zu drapieren.
Kulinarisch auf’s Beste versorgt waren wir mit Elses frisch aufgebrühtem Kaffee, frischen Brezeln am Sonntagmorgen von Barbara und einem himmlischen Himbeerkuchen von Franz! Ganz lieben Dank dafür!
Last but not least – herzlichen Dank, Željko, dass du dir dieses frühlingshafte Wochenende Zeit für uns genommen hast!
Man nimmt immer unheimlich viel positive Erfahrungen und Eindrücke aus diesen Stunden mit in die kommende Woche!
Liebe Grüße!
Beate

Dazu möchte ich noch bemerken, dass uns Beate ihre experimentelle Fadenmaltechnik gezeigt hat und mit ihrem Fledermaus-Fantasiebild erheblich zur guten Stimmung im Kurs beigetragen hat!

Am Schluss noch ein Angebot für alle Musikliebhaber! Beate hat eine Karte für ein KONZERT am Donnerstag, 26.04.2018 20:00 Uhr in Beethoven-Saal (Liederhalle). Hier die Details:

Amsterdam Sinfonietta
Faszination Klassik – 6. Abend


Candida Thompson, Konzertmeister
Andreas Ottensamer, Klarinette



Programm:

Korngold: Lento Religioso aus Sinfonische Serenade op. 39 B-Dur

Mozart: Konzert für Bassettklarinette und Orchester A-Dur KV 622
Weiner: “Kèt Tètel” für Klarinette und Streicher
Brahms: Streichquintett Nr. 2 G-Dur op. 111 (arr. für Streichorchester)

Brahms: Zwei Ungarische Tänze (arr. für Klarinette und Streicher)

Es handelt sich um eine komplette Eintrittskarte ohne Abdeckungen …

Bei Interesse sendet bitte eine Email an Beate: BeateIm@gmx.de


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– Malklasse III

Das Thema in unserer Malklasse war am vergangenen Wochenende “der Raum.” Fast immer, wenn wir bildnerisch gestalten, haben wir mit der Raumdarstellung zu tun. Plastizität, Volumen, Tiefe, Bewegung – das sind alles Aspekte der Raumgebung. Auch das Atmosphärische eines Bildes ist im Grunde die “Raumwirkung” der Farbe. Die beherrschende Maltechnik dabei ist Kontrast-, bzw. Farbverlauf. Es sit beinahe unmöglich ein Objekt – Körper, Figur, Gegenstand … – ohne Abstufung eines Farbtons in einer räumlichen Ausdähnung plastisch wiederzugeben. Selbst abstrakte Bilder wirken oft “flach” und “dekorativ”, wenn keine Farbabstufungen vorhanden sind, denn es fällt die räumliche Orientierung.
Wir haben zunächst mit Bleistift, Zeichenkohle und Kreide gearbeitet. Unser Ziel war es, durch Verlauf die Illusion einer Raumwölbung zu erzeugen. Selten hat uns eine gestalterische Aufgabe so ergriffen, selten haben wir uns so intensiv mit einem Thema beschäftigt! Manche haben gar nicht zum Malen gekommen – so spannend war die Arbeit mit den vermeintlich “einfachen” Mitteln, die eine wesentlich größere Konzentration auf den Raumeffekt unseren Flächen zugelassen haben. Am Sonntag haben wir uns mit dem Gefühl verabschiedet, mit unserer Arbeit erst richtig angefangen zu haben.


Franz hat das Übungsblatt schnell um neue, freiere Formen erweitert und zwei eindrucksvollen Kohlezeichnungen gemacht. Die einzige “Farbe”, die er dabei benutzt hat, war Grundierweiß. Das Bild haben wir “Fliegende Eistüte” getauft.

Renate hat ihre Skizze (sehe unten) konsequent als Vorlage für das farbige Bild benutzt und eine luftige Komposition aus scharfen Linien und voluminösen Flächen mit Jaxon Kreide gemalt. Manche Stellen erinnern an die Malerei des Suprematismus …

Über das Werk von Eberhard müssten wir staunen! Rhythmus, Komposition, Raum, Farbgebung – meisterhaft! Nun wissen wir, womit sich Eberhard im nächsten Semester beschäftigen wird!

Silke hat ein ausdrucksstarkes, expressives Bild gemalt! Obwohl noch unvollendet, hat das Bild viel Tiefe und Raum. Die blaubrennenden Formen scheinen leidenschaftlich um die Vorherrschaft im Bild zu kämpfen.
Petra konnte ihr Bild ebenso nicht zu Ende malen – die leeren Bereiche, die Bleistiftlinien und die futuristisch anmutenden, frei schwebenden Raumfragmente behaupten sich aber trotzdem als eine zwar zufällige aber doch sehr eindrucksvolle bildnerische Aussage!

Ulla har ihre Bildserie, in der sie ihre Fotografien als Ausgangspunkt für die Malerei benutzt, fortgesetzt. Die farbigen Flächen um das Foto herum dienten ihr nur als Grundierung und waren nur kurze Zeit zu sehen. Bevor sie die ganze Bildfläche mit Dunkelbraun übermalt hat (sehe unten), könnte ich die starke Farbwirkung gerade noch dokumentieren.
Zak – und weg war die bunte Farbschicht!
Karl hat die Raumwirkung des Farbverlaufs in einem – wie konnte es anders kommen? – Landschaftsbild erprobt. Die Raumdehnung der Flächen – von pastös-kräftigem Farbauftrag bis zu der zarten Lasur des Himmels – ist auch hier die Illusion mittels Abstufung der Farbtöne.

Am Ende unseres Kurses malte uns die Sonne zum Abschied eine prächtige Stadtkulisse! In zwei Wochen sehen wir uns wieder – ich freue mich darauf!


 

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– Singende Köpfe, tanzende Linien – Teil II

Am zweiten Tag unseres Workshops haben unsere Köpfe ein Leben in Farbe geschenkt bekommen, jede Künstlerin hat aus der konstruierten Kopf-Form eine andere bildnerische Aussage gemacht!  Dieses Mal haben wir statt Acrylfarbe Jaxson Kreide benutzt.

Julia hat eine kupferfarbene Palette gewählt – ihre ruhig singende Frau hat in ihrem Blick auch etwas Melancholisches … was für ein Lied singt sie?

Das expressive Bild von Else würde auch ohne offenem Mund schreien. Das Licht ist souverän “moduliert”, sodass der ganze Bildraum stark und plastisch wirkt. Schaut euch Linien und Flächen an – sie sind wunderbar ineinander verwebt!

Barbara hat ihre eigene Bildvorlage mitgebracht – eine Szene aus einem Fernsehkrimi. Sie hat Jaxon Kreide mit einem Lappen verschmiert und damit eine schöne Spannung zwischen harten Linien und weichen Flächen ausgebaut.

Sabine ist ein wahres Meisterwerk gelungen! Atmosphärisch sanft modellierter Kopf, mit viel Gefühl für Licht und Raum. Man kann kaum glauben, dass sie noch nie einen Kopf gemalt hat!
Vom Gretes Bild habe ich leider nur die Aufnahme des noch unvollendeten Kopfes gemacht. Aber das Bild wirkt schon in diese Phase stark, das Skizzenhafte lässt schon alles Wesentliche erahnen. Aber … singt die Frau oder ist sie – wie in einem Krimi – tödlich erschrocken?
Es war eine wunderbare Zeit, wir haben viel Spaß miteinander gehabt!

 

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– Singende Köpfe, tanzende Linien – Teil I

Die Zeichner unter den Künstlern unseres Atelier haben sich über das Wochenende mit dem Thema “Mimik und Ausdruck” beschäftigt – und einen Kopf zum Singen gebracht.
Die Anatomie des Singens ist gar nicht einfach. Zunächst haben wir uns mit der Verformung unseres “Roboterkops” beschäftigt. Das Erfassen von entsprechender Körperhaltung und perspektivische Verzerrung der anatomischen  Grundform verlangten zwar hohe Konzentration, aber die Arbeit hat uns so ergriffen und so viel Spaß gemacht, dass wir die Zeit ganz vergessen haben! Manche schwierige Stellen – z. B. Ohren, Augen und Nase – haben wir separat behandelt, erklärende Skizzen gemacht (und sogar Spickzettel geschrieben!), um die Zusammensetzung der Formen besser verstehen zu können. An unserem ersten Tag sind wir um 17 Uhr wie aus einem Traum erwacht – und müssten über die Qualität unserer Werke staunen.

Da wir weder eine Vorlage noch ein Model benutzt haben, müssten wir den singenden Kopf zunächst mithilfe unseres Standardmodels konstruieren. Dies ging nur Schritt per Schritt

Irgendwann fingen unsere Linie an zu singen

 

 


… und hier ein paar Details.

 

Am Sonntag haben wir mit Farbe gearbeitet, darüber im nächsten Beitrag …

 

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– Alle 11 Minuten verliebt sich ein Künstler in sich selbst

Bald eröffnet in der Galerie Oberwelt e.V. die Ausstellung  “twenty three and some more”  von Johanna Mangold und Jan-Hendrik Pelz.  Ihr Thema – Kunst, Karriere, Kunstmarkt – können wir gern morgen am unseren  Künstlerstammtisch  behandeln!


Johanna Mangold und Jan-Hendrik Pelz sehen sich als junge freischaffende Künstler einem hart umkämpften Kunstbetrieb und Kunstmarkt gegenüber, auf dem sie sich jeweils ihren Platz erobern müssen. Den zweifelhaften Mechanismen, der ungleichen Verteilung von Aufmerksamkeit, Kapital und Einfluss und der völlig offenen Frage nach objektiver “Kunstqualität” begegnen sie mit einer Maßnahme, die mehr als eine selbsterfüllende Prophezeiung sein wird:  Sie brauen einen Zaubertrank mit auserlesenen Zutaten, dessen Einnahme sie zukünftig in die “besten Künstler der Welt” verwandeln wird. Zwischen tiefem Ernst und augenzwinkernder Ironie fanden die Künstler zahlreiche erlesene Materialien als Ingredienzen für diesen Zaubertrank, dessen Zutaten streng dokumentiert und inhaltlich eingehend begründet wurden.

Oberwelt e.V., Reinsburgstrasse 93
Eröffnung Samstag, 20. Januar 2018, 19:00 Uhr
Besichtigung der Ausstellung bis 10. Februar 2018
Weiter Infos unter: http://www.oberwelt.de/

 

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