Blitzlicht auf die Staatsgalerie


Ein Bericht von Eva Kaiser


In den vergangenen Monaten hat die Staatsgalerie Stuttgart die Zahl ihrer Besucher verdoppelt – allerdings nicht, weil plötzlich alle Stuttgarter kunstbegeistert geworden sind. Der Publikumsmagnet ist ein unscheinbares kleines Bild auf Papier in einem häßlichen Rahmen aus Kunststoff. Während der Auktion bei Sotheby’s zur Hälfte geschreddert, kam es als Leihgabe „einer Baden-württembergischen Schokoladendynastie“ nach Stuttgart. Das „Girl with Ballon“ hat keinen festen Platz, sondern wandert alle 2 Monate in einen anderen Teil der Ausstellungen.

Banksy, der eigentlich für seine ironische und oft kritische Street Art“ bekannt ist, gab dem Bild nach dem Verkauf einen neuen Titel, es heißt nun „Love is in the bin“ (Liebe im Eimer). Und die Besucher strömen in die Staatsgalerie, um „den Banksy“ zu sehen.



Nach einem kurzen Blick auf dieses unscheinbare Werk widmete ich mich der großen Sonderausstellung „Die jungen Jahre der Alten Meister“ Baselitz, Richter, Polke, Kiefer.
Alte Meister? So beschreibt sie Kurator Götz Adriani.

Die oft recht ironischen Arbeiten von Sigmar Polke haben mir Spaß gemacht. Dürers Hase mit Gummiband über Nägel gezogen oder auf einem Untergrund skizziert, der Geschenkpapier oder Tapete sein könnte (1968), das gehört in die Jahre der Pop Art.



Neben vielen seiner Rasterbilder finden sich auch „Schneeglöckchen“ , „Urlaub“ und „Palmenbild“ …



Nachkriegsängste, Kalter Krieg und Vietnamkrieg haben wohl alle vier Künstler beschäftigt, von Gerhard Richter sind „Bomber“ zu sehen (1963), seine Stadtbilder (Paris, 1968) muten wie Luftaufnahmen anfliegender Bomber an. Der Schwarm der Vögel (1964) erscheint wie eine Wolke drohenden Unheils.





Anselm Kiefer studiert Heroische Symbole, provoziert 1969 mit dem Hitlergruß in Bildern italienischer und französischer Landschaften (1970).



Von Georg Baselitz sind riesige Darstellungen von Körpern zu sehen, in deren Haut sich Stacheldraht eingräbt (Mitte der 60er), bis 1969 mit vielen Portraits auch der Wald „auf dem Kopf steht“.


 


Am Ende meines Galeriebesuchs schaute ich mir zwei nicht nur in den Abmessungen große Werke an:


Picasso, „Badenden“ (1956)

 

Und Oskar Schlemmers Triadisches Ballett (ab 1912), unterstützt durch das Video einer getanzten Version.




Zum Abschluss das Gemälde einer der wenigen Frauen in diesem Haus,
„Gelber und grüner Wald“ von Natalja Gontscharowa, 1913.


Staatsgalerie Stuttgart – gerade jetzt lohnt sich ein Besuch!


 

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Die Puzzlestücke der Malerei


An einem der letzten Kursabenden in diesem Semester erinnerte uns Frauke daran, dass die Malerei eigentlich ein kreatives Ventil für unsere Selbstreflexionen ist.
Egal, was wir machen, drücken wir beim Malen unser Gemütszustand mitaus: Wir können unsere geistige Stimmung unmöglich verstecken. Das merken wir deutlich, wenn wir z. B. an einem Bild, das wir am Anfang des Semesters angefangen haben zu malen, auf einmal nicht mehr weiterarbeiten können. Unsere Stimmung hat sich an dem Tag verändert, wir finden keinen „Anschluss“ mehr. Nächste Woche läuft es dann wieder problemlos wie gehabt weiter.
Ich lauschte neulich einem Gespräch zwischen Simone und Frauke. Frauke erklärte gerade wie sie ihre vielen Skizzen, die ihren Arbeitstisch bedeckten, gemacht hat. Zunächst hat sie mit einem Bleistift einfach niedergeschrieben, was sie gerade innerlich beschäftigt; Sätze oft so dicht neben- und übereinander gekritzelt, sodass der Text schließlich unlesbar wurde. Dann hat sie mit expressiven Farbfeldern und Linien gearbeitet und etwa ein Dutzend eindrucksvolle Puzzlestücke ihrer gegenwärtigen geistigen Stimmung gemalt!  … Hier eine Auswahl.




Nachdem wir diese Erklärung von Frauke erfahren haben, müssten wir die Bilder sofort mit anderen Augen betrachten! Wenn wir die „Hintergründe“ bzw. den Entstehungskontext eines Bildes kennen, erfahren wir eine neue, zusätzliche Dimension, die sich uns nicht immer gleich erschließt. Wir sind dann nicht mehr die Beschauer von nur „dekorativen“ Eigenschaften eines Bildes, sondern nehmen an einer spannenden künstlerischen Reflexion teil!
Hier ein paar Detailaufnahmen.


Wir erinnern uns, dass Frauke eine Mosaikkünstlerin ist (darüber haben wir HIER berichtet). Wenn man die Entstehungsgeschichte nicht kennt, was sieht man auf einem ihrer Mosaiken eigentlich? Schöne Farben und Formen, handwerkliches Können …?  Wer ihre Skizzen kennt, sucht unweigerlich nach einer „tieferen“ Erzählung!
Ein Mosaikskück von Frauke …

Frauke vertieft in ihrer Arbeit …

 

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Im bunten Strudel der Naturgewalten


Gestern war unser Atelier ein Schauplatz einer eruptiven und böigen Kreativität! Es konnte hier von niemanden sonst die Rede sein, als von unseren künstlerischen Naturgewalten Else und Franz.  Franz hat – vertieft in seine Action Painting – mit Händen gearbeitet als Else vorbei kam und ihn scherzhaft fragte, ob sie mitmalen darf. Franz hatte nichts dagegen – und dann, ohne jeglicher Vorwarnung, ging’s los! In kürzester Zeit baute sich im Raum eine starke elektrische Ladung auf und alle anwesenden müssten mit ihrer Arbeit aufhören und dem bunten und lustigen Wirbelsturm der Farben zuschauen. Hier ein paar Aufnahmen …

Nach ca. 10 Minuten …

Zwei Naturgewalten der Malerei – Else und Franz!

 


 

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Tanz 36


Wenn man nach dem Wort  „Tanz“  in unserem Blog sucht, findet man es in sage und schreibe 35 Beiträgen!  Und tatsächlich – für viele Bilder aus unserem Atelier ist das die erste Assoziation.  Denn Tanz ist eine lustvolle Bewegung, ein Spiel und purste Form der Lebensfreude – aber auch ein Ausdruck unserer Gefühle und Stimmungen …  Wo immer der Pinsel über die Leinwand tanzt, dort entstehen die bildnerischen Tanzspuren unserer Lebensfreude und Werke, auf denen unsere Beweg-gründe für die Beschäftigung mit der Malerei gespeichert sind!
Hier einige der vielfältigen Tanzformen, –Figuren und –Choreographien von der bunten Tanzbühne unseres Ateliers:

Barbara hat neulich ein Tanzbild – bildnerisch und thematisch – komponiert …


 

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Die Skizze einer Studie


Das Thema „Skizze“ haben wir schon im Beitrag „Das poetische Moment“ behandelt. Aber was ist bildnerisch gesehen eine Studie? … Bevor wir das zu klären versuchen, schauen wir uns ein paar Beispiele aus unserem Atelier an.

Dieses Foto hat Simone schon bei unserer ersten Begegnung im Atelier (vor ein paar Jahren) als Vorlage für ihr allererstes Bild bei uns benutzt … Letzte Woche im Kurs am Donnerstag hat sie das hübsche Gorilla-Baby ein weiteres Mal als Motiv genommen. Glücklicherweise haben wir ein paar Aufnahmen ihrer Arbeit gemacht, sodass der Bildaufbau – der Weg von der Skizze zur Studie – gezeigt werden kann!

Das Motiv zunächst andeuten, dann die Form allmählich konkretisieren – aber dabei darauf achten, dass das bildnerische Spiel – der Spaß am Pinseln und Klecksen – ein gleichberechtigter Inhalt des Bildes bleibt! Somit ist die Wirkung von Farben und Formen fest im Bereich der Malerei verankert … (Nichts verdirbt dem Betrachter den Kunstgenuss mehr als eine unausgewogene „illustrative“ Wirkung …)  Simone ist hier ein kleines Meisterwerk gelungen! Denn hier nutzt sie das Motiv gewissermaßen als eine Art Vorwand für ein freudiges Malexperiment, das sie aber zur Bildung einer konkreten bildnerischen Sprache führt.

Für Nathalie stellt sich die Frage – Skizze oder Studie? – gar nicht. Denn sie „skizziert“ so lange bis ihre großformatigen Bilder – duch mehrere Farbschichten – eine komplexe Aussage bekommen. Hier vier Werke in verschiedenen Arbeitsstadien. Einige befinden sich noch im Bereich der Skizze, andere kann man nicht mehr so bezeichnen, sie haben eindeutig eine neue Qualität bekommen …


Frauke beschäftigt sich sehr intensiv mit der Entwicklung ihrer Bildideen. Nachdem sie in vielen kleinformatigen Skizzen und Bildentwürfen ihre bildnerische Sprache konkretisiert hat, präsentiert sie nun im Großformat eine spannende, „luftig“ gemalte und trotzdem komplexe Erzählung, die alle Merkmale einer Studie besitzt.

Ein paar Skizzen und Entwürfe von Frauke findet ihr HIER.
Auch Eberhard stürzt sich mutig in das Abenteuer eines spontanen Skizzierens! Im lustigen Tanz der Farben und Formen wuchern auf seiner Leinwand die bunten Pinselstriche – bis die Skizze unmerklich zu einem wahren „Dokument“ seiner Kreativität wird. Das Bild bekommt nach und nach eine andere Wirkung, das Skizzenhafte wird in eine andere Dimension überführt. Langsam entsteht ein Werk, in dem eine bildnerische Neugier und eine unbändige Spiellust einen klaren Ausdruck bekommen. (Das Bild ist noch nicht fertig …!)  Anders ausgedruckt kann man hier behaupten, dass der Hauptinhalt des Bildes weiterhin der Prozess des Malens (Skizzierens) bleibt, aber die Aussagekraft durchaus die Tiefe einer Studie aufweist.


Fazit:
Die Bezeichnung „Studie“ wird in der Malerei meistens für ein Werk verwendet, das eine Absicht oder ein bestimmtes Interesse in einer konkreten und klaren Form darstellt – und dabei die Ausdrucksmöglichkeiten einer bildnerischen Sprache voll ausschöpft:  Was in der Skizze als Ahnung vorhanden ist, wird in einer Studie definiert.
Für unsere Arbeit bedeutet dies:
Wir brauchen eine Skizze, um eine Bildidee zu entwickeln, aber ohne Studie wissen wir nicht wirklich was wir tun.

 

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Im Bann des Mondes

Wir haben es schon immer geahnt, nun ist es endlich bewiesen – der Mond übt einen entscheidenden Einfluss auf die Kreativität in unserem Atelier aus!


Auf einmal kam er! … Wie ein gutmutiger uns zugleich allmächtiger Nachtwächter der Stadt … Für ein paar Minuten haben wir unsere Staffeleien verlassen und waren ganz im Bann des Monds gefangen.

Vielleicht hat uns der Vollmond tatsächlich mit einer neuen Energie versorgt, denn nicht nur dass unsere Farb- und Formspiele einige sehr gute Werke hervorgebracht haben – wir sind redseliger geworden!


Was fasziniert uns hier eingentlich, ist es die Farbatmosphäre … Licht und Schatten …?

Passt die „Energieverteilung“ …?

Wie machst du eigentlich deine Farbverläufe?

 

 

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