An diesem Wochenende wurden sämtliche Register der bildnerischen Gestaltung gezogen!
VonFiguration zur Abstraktion (und wieder zurück); vonKlecksen und Schmieren zum haarfeinen Pinselstrichen; von Lasur zur fingerdicken Struktur; von streng geometrischen Formen zu den Versuchsfeldern des Zufalls … Der gemeinsame Nenner unserer Malerei – Lust am Forschen, Ausprobieren und Spielen!
Die Abendkurse gehen langsam zu Ende. Nicht ohne Folgen! Die Kunstproduktion in unserem Atelier, die immer noch auf Hochkonjunktur läuft, lässt sich sehen! Hier eine Auswahl (Fortsetzung folgt!) …
Durch die Beschäftigung mit dem Motv „Fatlen“ ist eine energetisch hochgeladene Farb- und Raumkomposition entstanden …! Der Künstler: Michael G.
Der Blick aus dem Zugabteil in die vorbeihuschende Landschaft … Malen als wundersame, musische Reise-Zeit, in der man „Urlaub vom Leben“ nehmen kann … Ein Bild von Christiane V.
Auch Irmgard hat mit Stofffalten angefangen – um dann nach ein paar Abenden bei atmosphärisch feinkomponierten Farbwolken zu landen …
„Das Zaubermädchen“ von Angelika stammt noch aus dem letzten Kurs. Nun ist das schöne Fantasiebild vollendet!Das fröhliche Farbspiel mit dem Zufal begeistert immer wieder! Wir machen es eigentlich viel zu wenig … Ein Bild von Gertrud B.
Im Strudel der Farben – ein Bildraum von soghafter Tiefe … von Else!
Faltenmotiv mit viel Liebe für Detail und figurative Darstellung – ein Prachtstück von Beate!Falten mit einem Floralmotiv von Beate …
Die Ährenleserinnen – Jean François MilletAdolph Menzel – Das EisenwalzwerkGustave Caillebotte – Die ParketthoblerGustave Courbet – Die SteinklopferPieter Bruegel – Die Kornernte
Über die Ausstellung „Egon Schiele“ in Wiener Albertina birichtet unsere Fliegende Reporterin Beate ( dafür herzlichen Dank! ).
Egon Schiele – Talent, Tiefe, Exzess und die Kunst als Ventil einer stürmischen Sehnsucht nach Befreiung aus der Zwangsjacke der (K.u.K) Gesellschaft
Egon Schiele ( 1890 – 1918 )
Enfant terrible der klassischen Moderne , unpassendster Schüler aller Schulen , Künstler zwischen Spiritualität und Sex. Eine Auseinandersetzung mit der Nacktheit des Menschen und dem eigenen Selbst, mit Doppelmoral, Armut , Eros und Einsamkeit; mit Verstehenwollen und Nichtverstandenwerden.
Vom 22.Februar bis 18.Juni 2017 zeigt die Albertina in Wien Werke des Malers Egon Schiele, der 1918 mit nur 28 Jahren an der Spanischen Grippe gestorben ist und dessen Werke nach seinem Tod lange fast vergessen waren. Wollte man seine zahlreichen, expressiven Darstellungen, bei denen man den ‚point of view‘ nicht lange suchen muss (salopp gesagt) nur auf das sujet der Erotik reduzieren, würde man ihm sicher nicht gerecht.
Zu Beginn der Ausstellung begegnet man, quasi zum Warmwerden, einigen Bildern des Städtchens Krumau, der Geburtsstadt seiner Mutter. Allesamt schön bunt coloriert mit Liebe zum Detail. Verwinkelte Gässchen, zum Trocknen aufgehängte Wäsche etc. Dass das kleine Städtchen im Grunde so seine Probleme hatte, mit seiner freizügigen Lebensmoral, sei hier dahingestellt.
In den weiteren Ausstellungsräumen dominieren nun – neben Selbstportraits in kühnen bis albernen oder tabulosen Posen – eher die Darstellungen von leicht bis spärlich bekleideten Männern, Frauen und Kindern, die sich offenbar zahlreich in seinem Atelier eingefunden haben und für die Schüchternheit eher ein vager Begriff war.
In dem kleinen österreichischen Städtchen Neulengbach wurde ihm sein offenherziger Umgang – eben auch mit minderjährigen Mädchen – im Jahr 1912 zum Verhängnis und brachte ihm ein paar Wochen Untersuchungshaft ein. Bereits nach 24 Tagen wurde er aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Doch wie sehr ihm diese Tage hinter schwedischen Gardinen zugesetzt haben drückt sich in den wenigen Bildern aus, die in dieser Zeit entstanden sind: ein völlig verängstigter Schiele, der von der grauen Decke seiner Pritsche fast erdrückt wird, wie Mogli von der Schlange Kaa. Und der einzige Lichtblick in der Zelle schien eine Orangenfrucht zu sein.
Ab da an war’s wohl auch vorbei mit der Mädchenmalerei. Jedenfalls nach außen hin. Was ihn 1915 bewogen hat, seine Muse und Geliebte Wally, also seinen Lieblingsmensch par excellence, für die bürgerliche Ehe mit der Nachbarstochter Edith einzutauschen, werden wir wohl nie erfahren. Wally verbrachte nach der Trennung ihre letzten Lebensmonate als Krankenschwester an der Front und starb 1917 an Scharlach. Als wäre mit ihr auch das wilde Expressive gegangen, waren die letzten Bilder Schieles zahmer, ruhiger. Wirklich ausgeglichen ist er durch die Ehe mit Edith wohl nicht geworden. Andererseits hatten sie beide nicht mehr die Möglichkeit dazu, zusammenzuwachsen, eine Familie zu gründen …Im Herbst 1918 starb erst seine Frau (im sechsten Monat schwanger) und drei Tage später er selbst an den Folgen der Spanischen Grippe, die so sensenschwingend durch’s Land getobt ist, fast wie weiland die Pest.
Ganz am Schluss der Ausstellung sind noch ein paar Werke des Teenagers Schiele zu sehen. Zeichnungen, die ihn befähigten, schon mit 16 an der Wiener Kunstakademie aufgenommen zu werden. Und ja – er hatte mit Sicherheit Talent. In vielen zeichnerisch, malerischen Bereichen. Viel zu viel Talent, wie sein anfänglicher Unterstützer Klimt ihm bescheinigte. Nur gegenständlich und detailliert malen war ihm daher bald zu einseitig.
Schiele hat auch zahlreiche Gedichte geschrieben …
Zur Kunst gehört auch, im Café unbemerkt zu zeichnen …
In letzter Zeit haben wir uns oft mit dem Thema „KOPF ZEICHNEN UND MALEN“ beschäftigt. Dabei ist auch der Wunsch geäußert worden, sich einmal grundlegend mit dem Thema „Zeichnen“ auseinanderzusetzen. Hier die Fragestellungen, die wir in einem Zusatzkurs behandeln können.
Bezüglich Grafik:
Was ist – bildnerisch gesehen – eigentlich eine Linie? In welcher Beziehung steht sie zur Kontur eines Objekts, in welcher zu seinen Flächen? Wie behandelt man Lichtverhältnisse? Welche weiteren Inhalte (Atmosphäre, Oberfläche, Bewegung, Statik …) kann sie »speichern« und auf welche Art und Weise stellt sie das Volumen und den Raum dar? …
Bezüglich Beobachtung und Handmotorik:
Welche Übersetzungsvorgänge sind beim Zeichnen am Werk? Wie kann man seine Linie »kultivieren« und nicht zuletzt – in welchem Zusammenhang steht der Vorgang »beobachten-sehen-zeichnen« mit der (Fein)Motorik des Schreibens? …
Wer macht mit? Mit ein paar Gegenständen basteln wir uns eine »Installation« zusammen und lernen beobachten und zeichnen! Dazu machen wir ein paar Übungen zur Verständigung o. g. Themen und schauen uns ein paar Beispiele an.
Hier noch ein paar Baumporträts von eurem Atelierhausmeister …
Geboren wurde ich 1952 in Bad Gastein/Österreich, auf 1000 m Höhe in eine Familie mit vier Töchtern. Sowohl von mütterlicher, als auch von väterlicher Seite wuchs ich mit Malerei auf und trieb mich als Jugendliche schon gerne in Museen herum.
1971 begann ich an der Kunstakademie Düsseldorf mein Studium, u.a. bei Joseph Beuys. Kurz darauf entschied ich mich, Evangelische Theologie zu studieren und wurde Pfarrerin und Pastoralpsychologin.
Wie ich wieder zum Malen kam
Meine Freundin Franziska überredete mich vor einigen Jahren zu einem Wochenende bei Željko. Da fing ich wieder an mit Farben und Formen zu experimentieren und entdeckte die Reize von Struktur und Farbe. Ich begann fortlaufend eine Malklasse bei Željko zu besuchen. In diesem Semester setzte Željko das Thema Faltenwurf, mit dem ich mich anfreundete. An einem Wochenende kam dazu die Konzentration auf die Konstruktion von Köpfen in Zeichnung und Farbe. Beides war für mich Anstoß zu lernen und wieder anzuknüpfen an die lange vergessene Kunst des Sehens. Ich war im Februar in Güstrow und erlebte dort im Dom die Skulptur „der Schwebende“ von Ernst Barlach. Ein Foto nahm ich als Erinnerung mit. In meiner Wohnung hängt ein Poster der Sibilla Delfica von Michelangelo (Sixtinische Kapelle). Mit den neuen Erfahrungen, Kopf und Falten in Form und Farbe zu gestalten, habe ich den Mut gefunden diese beiden Abbildungen selbst zu gestalten. Es war ein mühevoller Prozess, der mich jedoch begeistert und nicht loslässt und so sind die beiden Bilder entstanden und andere noch im Werden…
Stuttgart, April 2017
Sibilla Delfica nach Michelangelo von Petra B.Sibilla Delfica von Michelangelo, eine von insgesamt fünf Sibyllen im Fresko an der Decke der Sixtinischen Kapelle.
…
Der Schwebende von Petra B. (rechts das Original von Ernst Barlach) Hier ist die ganze Konzentration auf das Gesicht – auf den Ausdruck einer mahnenden, zur Besinnung auffordernden Geistesstille, die Berloch in seiner Skulptur gesucht hat – gerichtet …Ein weiterer „Schwebender“ im Halbprofil von Petra B. Dieser Entwurf erzählt mit einer Formsprache, die die Mittel der Malerei in den Vordergrund stellt! Strenge, formbezogene Gesichtszüge stehen mit den Farbschatten des Körpers in einem lebendigen Gleichgewicht. Damit ist der Raum für mehr Gefühl entstanden – „Der Schwebende“ schwebt in einer transparenten Plastik der Farbe.
♦ Eine Notiz über die Skulptur Den Schwebenden von Ernst Barlach
Die Bronze von Ernst Barlach hat eine Interessante, bewegende Geschichte. Die Skulptur entstand 1927 und war – als Mahnmal für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg – für den Güstrower Dom bestimmt. Das Werk wurde nach Machtergreifung Hitlers als sogenannte Entartete Kunst aus dem Dom entfernt. Den Schwebenden Engel, wie die Skulptur manchmal genannt wird, hat man dann 1941 eingeschmolzen. Dies geschah unter merkwürdigen Umständen – sie »verschwand« über Nacht aus der Garage eines Bischofs, wo es gelagert war.
Zum Glück existierte in der Gießerei Hermann Noack in Berlin noch das vom Künstler modellierte Werkmodell. Von diesem Gipsmodell ließen Freunde Barlachs kurz nach seinem Tod (1938) – vermutlich 1939 – einen zweiten Guss anfertigen. Das Werk überstand den Krieg versteckt in einem (offenen!) Schuppen beim Maler Hugo Körtzinger. Dieser Nachguss befindet sich seit 1952 in der Kölner Antoniterkirche.
Ein weiterer Nachguss schwebt heute an seinem ursprünglichen Ort im Güstrower Dom, ein dritter hängt im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.
Dem Künstler war übrigens gar nicht bewusst, dass er Käthe Kollwitz porträtiert hat. Nachdem man die Ähnlichkeit bemerkt hat, erwiderte der verblüffte Barlach: »Die Züge von Käthe Kollwitz sind mir da so hereingekommen. Hätte ich mir das vorgenommen, so wäre es mir nicht gelungen.«