Sample Page

Kunstreise nach Paris Teil I

Neulich machte Julia eine Kunstreise nach Paris.  Für uns hat sie einen schönen, poetischen Bericht verfasst.  Die Zeichnungen, die sie unterwegs gemacht hat, zeigen wir in einem weiteren Blog Beitrag.

•–*–•
Wir trinken den ersten Café auf wackeligen bunten Stühlchen und lauschen dem Glucksen und Schnalzen des Flusses, die Feuchte der Nacht krabbelt in unseren Hosensaum. Im fahlen Morgenlicht strecken und recken sich die Farbpunkte und erzeugen ein zartes Flimmern. Das träge Wasser vibriert silbrig mit Saphir-Glanz, die Brücken ducken sich in grau-grünen Schattierungen hintereinander und greifen in weitem Bogen verschachtelt über das Wasser und hinaus aus meinem rechten Augenwinkel. Hinter der massigen Ufermauer ragt Paris auf und zeigt die ganze Vielfalt der Farbe Grau – wie gut, dass die Seine je nach Tageszeit jede Farbe annehmen kann, petrolgrün oder silberweiß, orange oder gelb, nachtblau oder braunschwarz.

Hier eine Kostprobe aus dem Zeichenblock von Julia …
Die Seine verbindet alle Museen, die ich mir vorgenommen habe: das Musee d’Orsay, den Louvre, Rodins Garten und die Orangerie. Für mich das erste Mal – ein saftiges Programm! Aber keine Angst – zusammen besuchen wir nur das erste: befreit schweben wir der Nase nach auf meinem gemieteten Fahrrad an’s rive gauche direkt in die Arme der Impressionisten.
Ich muss wirklich lachen als ich im fünften Stock in den ersten stickigen Saal abbiege: alle Welt ist schon da … Und die Bilder? Wo sind nochmal die Bilder? Ah, da hinten zwinkert mir durch die wankenden Schatten der Besucher die weißleuchtend nackte Victorine aus Manets Frühstück zu! Sie ist ein umgekehrter Scherenschnitt und würde in Pariser Schuhläden mit Ihren großen Füßen sicher nicht fündig. Wieso hat auf IHR Lächeln noch keiner ein Loblied gesungen?


Sie hält die Zeit für mich an und ich nehme jede Gelegenheit einer Sichtachse auf ein Gemälde wahr, um in einen Augenblick Unendlichkeit abzutauchen.
Renoir! Er ignoriert beharrlich die Schattenseite des Lebens, bei ihm duftet die Welt mit rosigen Wangen und perlendem Kinderlachen. Unfassbar, dass diese plakative Romantik seinerzeit Anstoß erregt hat, wegen angeblicher Leichenschattierung der Haut.


Aber Renoir ist für mich zu wattig – ich ziehe weiter. Und werde direkt gepackt von Cezannes Landschaften, seiner Brücke, seinen Äpfeln, seinem – ach – Cezanne! Du Teufel! Ich schaue ganz genau hin: ihr werdet es nicht für möglich halten – er malt tatsächlich einen schwarzen Kringel um seine Äpfel. In einem Pinselschwung. Schwarz. So. Hier: der Apfel. Ausgetupft und gestrichen mit den widersprüchlichsten Farbkombinationen und von weitem doch wieder: ein Apfel. Seit Cezanne können Äpfel von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählen!


Auf der staubigen Straße vor dem Haus des Gehängten mache ich Pause auf einem umgefallenen Baumstamm und rieche den modrigen Duft eines verbrauchten Sommers. Von Ferne das langsam anschwellende Knirschen von Fußstapfen auf dem Kies – ein Mann in brauner Leinenhose, mit Staffelei, breitkrempigem Hut und zerzaustem Bart kommt den Weg herunter und spaziert weiter ins Tal. Ihr glaubt mir nicht? Ja – nur Cezanne schafft es mich derartig in seine Bilder zu saugen.


Ich reiße mich los – geselle mich ein wenig zu Manets Damen auf den Balkon, blicke hinab ins euphorische Treiben der Rue Montorgueil und verwechsle – wie wahrscheinlich alle Touristen – Monets Kathedrale von Rouen mit der Notre Dame, und schon ist die angehaltene Zeit vergangen und der erste Gong wirft mich in die Wirklichkeit zurück. Nur noch schnell unten bei den Expressiven durch huschen: oh jeh, der Van Gogh – er kämpft so mit der Farbe! Ölige Verzweiflung in dicken Schichten. Gelb gegen Blau – Grün gegen Rot – Vincent gegen den Rest der Welt! Gaugin, der Spinner, hat für seine Hütte am anderen Ende der Welt ein Holzportal mit Sinnsprüchen gebaut, unter dem ich jetzt stehe, das rührt mich – erinnert mich an die Basteleien in meinem urbanen Garten … Letztendlich treibt uns alle das Gleiche, ob Genie oder Schülerin, ob hier oder in der Südsee.
Mit dem letzten Gong stehen wieder im Grundrauschen der Großstadt an der Seine. Die hat jetzt einen schwarzen Rand. Und alle ihre Farben – rot, blau, grün, braun, gelb, weiß – sind in unzähligen frechen Pinselstrichen nebeneinander vereint von weitem doch einfach wieder: la Seine de Paris!


Fortzetzung folgt …!

Views: 166

Neue Bilder

Unser Atelier füllt sich langsam mit ersten Werken. Darunter Skizzen, Studien und die ersten fertigen Bilder; lustige Vögel, bizarre Pyramiden, Landschaften, stimmungsvolle Farbwelten, „gesteuerte“ Zufallsspuren, luftige, deutungsoffene Entwürfe und manche alten Baustellen aus dem vorherigen Semester (darüber haben wir hier schon berichtet) …
Wir haben auch ein paar neue Künstlerinnen im Atelier, die mit ihrer Lust,  die Welt der Farben und Formen zu erforschen, unsere gemeinsame Abende bereichern –  auch an diese Stelle möchte ich sie herzlich willkommen heißen!


Views: 143

Selbst-bildnisse

Die erste Arbeitswoche in unserem Atelier hat neue Früchte des Sommers ans Licht gebracht! Petra und Ingrid haben sich mit dem Thema „Porträt“ auseinandergesetzt und ihre Beobachtungskunst erheblich verfeinert und vertieft! Schauen wir uns die Werke an.

Petra hat sich an das Selbstporträt gewagt. Das Bild ist zwar noch nicht fertig, aber Petras Geist lebt schon unter der Farbhaut des Bildes!
Die erste Fassung des Porträts einer Freundin von Petra, schaffte ich leider nicht zu fotografieren. Denn die Künstlerin ist unerschrocken und duldet keine Halblösungen – ohne, dass ich es bemerkt habe, war das alte Bild übermalt und ein neues angefangen! Zeichnerische Vorbereitung ist auch hier unerlässlich. Die ersten Pinselstriche sitzen schon!
Ingrid hat sich mit der Lasurtechnik weiter beschäftigt. Nicht nur, dass ihr Enkelkind sehr gut „getroffen“ ist, das Bild strahlt eine besondere Atmosphäre aus – eine hunderjährige Patina, scheint hier gespeichert zu sein! Das Bild sieht aus, als ob man es in einem alen Familienalbum gefunden hätte … Dies ist natürlich nur ein „Nebeneffekt“, das man aber mit der Lasurtechnik besonders eindrucksvoll herstellen kann …
Hier ist die Enkeltochter schon ein paar Monate älter. Das Bild ist noch nicht fertig, aber die Stimmung – samt Lebendigkeit und Haltung des Körpers – ist schon da!

Auch in diesem Semester werden wir uns mit dem Thema „Kopf Zeichen und Malen“ Beschäftigen. Sobalt ich einen Termin finde, werde ich einen Zusatzkurs für die Interessierten voschlagen. Das Thema wird dieses Mal „Form und Abstraktion“ sein …

Views: 150

Mein Bild ist meine Tanzfläche

Unsere Renate ist eine zweifache Tänzerin. Sie tanzt tatsächlich, druckt sich künstlerisch mittels Körper aus – und ist auch als  Tanzpädagogin  tätig – aber genau so ergeben „tanzt“ sie mit dem Pinsel, mit Farben und Formen! Über Sommer hat sie etliche sehr gelungene Werke gemacht. Es handelt sich um eindrucksstarke, temperament- und stimmungsvolle Bewegungsstudien.  Der Schwung und Energie, die hinter ihrem Malduktus stehen, sind hochkultiviert! Vor allem in den von Zeichnung dominierten Bildern nehmen wir eine souvärene Übersetzung der Körperbewegung in die bildnerische Sprache.  Hut ab Renate!
Ein Angebot an die Abendmaler*innen – wir können das Thema Körper und Bewegung in unserem Atelier vertiefen!  Unsere Fragestellung könnte lauten: Wie übersetzen wir „Stimmungen“ unseres Körpers in die Sprache der Malerei?


Nächste Woche fängen unsere Abendkurse an. Freie Plätze gibt es nur im Kurs „Einführung in die Grundtechniken der Acrylmalerei II: Schwerpunkt Struktur“.  Die Wochenendkurse sind alle belegt.  Aber es gilt nach wie vor – wenn der Kurs voll ist, setzt euch bitte auf die WartelisteBeinahe in der Regel kommen manche von der Warteliste doch in den Kurs.

 

Views: 164

Der Kaiser ist eine Gemüseart

Guiseppe Arcimboldo (ca. 1527 – 1593), Vertumnus, Porträt von Kaiser Rudolf II.
Neulich in meinem Garten – in dem die übervollen Obstbaumäste bis zum Boden gebogen sind – fiel mir der wundersame Maler des Manierismus, Giuseppe Arcimboldo ein. Er hätte hier viel „Material“ für seine fantastischen Porträts zur Verfügung!  Jeder hat zwar von diesem einfallsreichen Künstler schon gehört oder zumindest seine Kompositbilder gesehen. Trotzdem möchte ich hier eine Notiz über seine Kunst schreiben. Denn er wird oft sehr eindimensional wahrgenommen.
Zunächst das Bekannte: Das bildnerische Verfahren ist hier sozusagen auf dem Kopf gestellt, realitätsgetreu gemalte Teile ergeben in seinen Bild-Collagen lustige und überraschende Deutungswendungen – das Vertraute wird zum Baustein eines geheimnisvollen Fantastischen. Diese Werke sind zwar wahre künstlerische und humoristische Kostbarkeiten, aber sie sind viel mehr als nur lustige Formakrobatik und amüsante Menschen darstellende Gemüsekörbe![read more=weiterlesen less=weniger]Es sind auch andere Inhalte in den Bildern zu finden; kluge bildnerische Verrätselungen, die die unergründlichen Geheimnisse zu verhüllen scheinen, meisterhafte Charakterstudien, verdeckte Mahnungen und Verspottungen, narrenhafte Porträts im Spiegelbild der ansonsten stimmlosen Pflanzen- und Tierwelt. In seinem Werk befinden sich fantasievolle metaphysische Botschaften, lustige Überspitzungen und beharrliche Versuche, die Geheimnisse der Natur mittels Nachahmung und Umschichtung ihrer Formen zu entschlüsseln und – mittels Artistik – gar zu überschreiten.  Es ist die Zeit der Wunderkammer und der Kuriosenkabinette, die Zeit des Seltsamen, des Fantastischen, des Besonderen, des Deformierten … 16. Jh. ist noch eine vorwissenschaftliche Epoche, in der allerdings eine erstaunliche, unerschrockene Neugier die Geister beseelt und beflügelt. Nur, was weit über die Norm und über dem Gewöhnlichen hinausragt, reizt zur Betrachtung und inspiriert zur Forschung. In Europa herrscht eine weitverbreitete Überzeugung, dass nur das Studium des Außergewöhnlichen die Geheimnisse der Welt aufklären kann. Noch ist die Magie der feste Bestandteil jeglicher Forschung; Kunst und Wissenschaft gehören immer noch fest zusammen und der Überbegriff der Naturbetrachtung heißt immer noch Ovidische „Verwandlung.“  Auch Arcimboldo spielt mit diesem Gestaltungsprinzip in vielen seiner Bilder. Er malte Landschaften, die, um 90 Grad gedreht, wie Gesichter aussehen. Eine Schüssel mit Rüben, Zwiebeln und Nüssen sieht, wenn wir das Bild um 180 Grad drehen, aus wie der Kopf eines Gemüsegärtners. Wir merken auf dem ersten Blick gar nicht, was alles in den abgebildeten Dingen noch zu sehen ist. Die Wahrheit steht hinter dem Wahrnehmbaren, sie wird magisch verschleiert und wird – mittels Magie! – erkannt. Verwandlung, Verrätselung und gestalterische Spiellust kennen hier keine Grenzen. Was uns aber noch mehr fasziniert ist hemmungslose Überschreitung der Darstellungsmöglichkeiten der damaligen Malerei. Das Figurative ist hier ohne formale Abstraktion an den Rand des bildnerisch Darstellbaren gebracht worden. Die bildende Kunst ertastet eine erstaunliche, neuartige Nähe zur Literatur – die bildnerisch ausgesprochene Metapher ist hier gleich stark wie geschriebene!  Heute sind wir versucht, diese Kunst als Vorahnung des Surrealismus zu betrachten. Die Surrealisten haben Arcimboldo zwar wiederentdeckt und für ihre Forschung benutzt, aber seine Bilder wirken meiner Meinung nach am besten, wenn man sie aus ihrer Zeit heraus deutet. Und welche Botschaft haben für uns Heutigen diese Bilder? Vor allem diese: Die Natur kann ihre Fantastik nicht verlieren, ihre „Magie“ und ihre Rätsel können uns aber helfen, unseren Geist zu vertiefen. Auch für die zeitgenössischen Künstler haben die Arcimboldos Kompositbilder eine klare Botschaft: Die Kunst wird immer die Kunst der (hemmungslosen) Beobachtung bleiben.  …   Aber es gibt auch hier die sprichwörtliche andere Seite der Medaille. Die prächtigen Wunderkammern, kostbare Schatzkammer und die fantastischen Gemälde dienten damals auch anderen Zwecken. In der Spätrenaissance war die Malerei tief in die Machtspiele der Herrschereliten verwickelt. Arcimboldo war im Dienst von drei Habsburger Kaisern in Wien und Prag. Auch diese Herrscher wollten ihre Machtansprüche durch überspitzte Prachtentfaltung zur Schau stellen. Arcimboldo lieferte alles, was dafür nötig war. Er gestaltete Festumzüge, die zu besonderen Anlässen wie Vermählungen oder Friedensschlüssen abgehalten wurden, als Maître d’Amusement organisierte und ausstattete er Feste, stellte die Kunstkammer des Kaiserhofs zusammen, gestaltete traumhafte Wagen, märchenhafte Kostüme und Dekorationen, ließ darin Fantasie- und Fabelwesen auftanzen; Drachen, Einhörner, Dämonen und Göttinnen. Der Künstler als Teil der PR-Abteilung am Kaiserhof? Das war zu jener Zeit nicht nur nichts Ungewöhnliches, sondern die Frage des künstlerischen Prestiges. Dem Arcimboldo gefiel seine Stelle am Hof außerordentlich. Er stellte – ohne Auftrag – Kaiser Rudolf II. in einem lustigen Kompositbild als Vertumnus dar, als Gott des Wandels und der Fruchtbarkeit …  Fortsetzung folgt – bei Bedarf, in unserem Atelier – unsere Kurse fangen ja in wenigen Tagen an![/read]

 


Views: 155

Stuttgart 1978

Bald eröffnet in der Galerie Oberwelt e.V. eine Ausstellung mit dem bemerkenswerten Titel „Stuttgart 1978„. Der Raum der Galerie wird von der Installation „15 ziemlich gleiche Wandkapellen“ des Stuttgarter Künstlers Kurt Grunow bespielt. Am Eröffnungsabend hält ein weiterer Künstler, Harry Walter einen Vortrag mit dem rätselhaften Titel „Drei erfolgreich gescheiterte Lebenswerke“.
Was haben wir hier zu erwarten? Ist es ein Joke, eine absurde Inszenierung, dadaistische Nonsenskunst oder doch eine tiefsinnige, „philosophische“ Kunst? Wie es auch kommen mag, die Ausstellung ist auf jedem Fall zu empfehlen, denn sie thematisiert die Geschichte dieses einzigartigen und für die Kunstszene unserer Stadt bedeutenden Ausstellungsortes.  Für die Besucher unseres Ateliers gibt es noch eine zusätzliche Motivation, die Galerie Oberwelt aufzusuchen – das könnte eine hervorragende Gelegenheit sein, den Künstler Kurt Grunow, den zukünftigen Fachbereichsleiter der VHS Stuttgart, kennenzulernen! Es ist eine wahre Seltenheit, dass ein Künstler Leiter des Fachbereichs künstlerisches Gestalten wird. Wir dürfen gespannt sein, wie sich dieser Umstand auf die Arbeit und die Organisation der Kurse in unserem Atelier auswirken wird.
Vernissage ist am Freitag, 21. September, (Eröffnungsvortrag vom Harry Walter beginnt um 19:00 Uhr)
Mehr Infos unter: http://www.oberwelt.de



Views: 131