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Mein Bild ist meine Tanzfläche

Unsere Renate ist eine zweifache Tänzerin. Sie tanzt tatsächlich, druckt sich künstlerisch mittels Körper aus – und ist auch als  Tanzpädagogin  tätig – aber genau so ergeben „tanzt“ sie mit dem Pinsel, mit Farben und Formen! Über Sommer hat sie etliche sehr gelungene Werke gemacht. Es handelt sich um eindrucksstarke, temperament- und stimmungsvolle Bewegungsstudien.  Der Schwung und Energie, die hinter ihrem Malduktus stehen, sind hochkultiviert! Vor allem in den von Zeichnung dominierten Bildern nehmen wir eine souvärene Übersetzung der Körperbewegung in die bildnerische Sprache.  Hut ab Renate!
Ein Angebot an die Abendmaler*innen – wir können das Thema Körper und Bewegung in unserem Atelier vertiefen!  Unsere Fragestellung könnte lauten: Wie übersetzen wir „Stimmungen“ unseres Körpers in die Sprache der Malerei?


Nächste Woche fängen unsere Abendkurse an. Freie Plätze gibt es nur im Kurs „Einführung in die Grundtechniken der Acrylmalerei II: Schwerpunkt Struktur“.  Die Wochenendkurse sind alle belegt.  Aber es gilt nach wie vor – wenn der Kurs voll ist, setzt euch bitte auf die WartelisteBeinahe in der Regel kommen manche von der Warteliste doch in den Kurs.

 

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Der Kaiser ist eine Gemüseart

Guiseppe Arcimboldo (ca. 1527 – 1593), Vertumnus, Porträt von Kaiser Rudolf II.
Neulich in meinem Garten – in dem die übervollen Obstbaumäste bis zum Boden gebogen sind – fiel mir der wundersame Maler des Manierismus, Giuseppe Arcimboldo ein. Er hätte hier viel „Material“ für seine fantastischen Porträts zur Verfügung!  Jeder hat zwar von diesem einfallsreichen Künstler schon gehört oder zumindest seine Kompositbilder gesehen. Trotzdem möchte ich hier eine Notiz über seine Kunst schreiben. Denn er wird oft sehr eindimensional wahrgenommen.
Zunächst das Bekannte: Das bildnerische Verfahren ist hier sozusagen auf dem Kopf gestellt, realitätsgetreu gemalte Teile ergeben in seinen Bild-Collagen lustige und überraschende Deutungswendungen – das Vertraute wird zum Baustein eines geheimnisvollen Fantastischen. Diese Werke sind zwar wahre künstlerische und humoristische Kostbarkeiten, aber sie sind viel mehr als nur lustige Formakrobatik und amüsante Menschen darstellende Gemüsekörbe![read more=weiterlesen less=weniger]Es sind auch andere Inhalte in den Bildern zu finden; kluge bildnerische Verrätselungen, die die unergründlichen Geheimnisse zu verhüllen scheinen, meisterhafte Charakterstudien, verdeckte Mahnungen und Verspottungen, narrenhafte Porträts im Spiegelbild der ansonsten stimmlosen Pflanzen- und Tierwelt. In seinem Werk befinden sich fantasievolle metaphysische Botschaften, lustige Überspitzungen und beharrliche Versuche, die Geheimnisse der Natur mittels Nachahmung und Umschichtung ihrer Formen zu entschlüsseln und – mittels Artistik – gar zu überschreiten.  Es ist die Zeit der Wunderkammer und der Kuriosenkabinette, die Zeit des Seltsamen, des Fantastischen, des Besonderen, des Deformierten … 16. Jh. ist noch eine vorwissenschaftliche Epoche, in der allerdings eine erstaunliche, unerschrockene Neugier die Geister beseelt und beflügelt. Nur, was weit über die Norm und über dem Gewöhnlichen hinausragt, reizt zur Betrachtung und inspiriert zur Forschung. In Europa herrscht eine weitverbreitete Überzeugung, dass nur das Studium des Außergewöhnlichen die Geheimnisse der Welt aufklären kann. Noch ist die Magie der feste Bestandteil jeglicher Forschung; Kunst und Wissenschaft gehören immer noch fest zusammen und der Überbegriff der Naturbetrachtung heißt immer noch Ovidische „Verwandlung.“  Auch Arcimboldo spielt mit diesem Gestaltungsprinzip in vielen seiner Bilder. Er malte Landschaften, die, um 90 Grad gedreht, wie Gesichter aussehen. Eine Schüssel mit Rüben, Zwiebeln und Nüssen sieht, wenn wir das Bild um 180 Grad drehen, aus wie der Kopf eines Gemüsegärtners. Wir merken auf dem ersten Blick gar nicht, was alles in den abgebildeten Dingen noch zu sehen ist. Die Wahrheit steht hinter dem Wahrnehmbaren, sie wird magisch verschleiert und wird – mittels Magie! – erkannt. Verwandlung, Verrätselung und gestalterische Spiellust kennen hier keine Grenzen. Was uns aber noch mehr fasziniert ist hemmungslose Überschreitung der Darstellungsmöglichkeiten der damaligen Malerei. Das Figurative ist hier ohne formale Abstraktion an den Rand des bildnerisch Darstellbaren gebracht worden. Die bildende Kunst ertastet eine erstaunliche, neuartige Nähe zur Literatur – die bildnerisch ausgesprochene Metapher ist hier gleich stark wie geschriebene!  Heute sind wir versucht, diese Kunst als Vorahnung des Surrealismus zu betrachten. Die Surrealisten haben Arcimboldo zwar wiederentdeckt und für ihre Forschung benutzt, aber seine Bilder wirken meiner Meinung nach am besten, wenn man sie aus ihrer Zeit heraus deutet. Und welche Botschaft haben für uns Heutigen diese Bilder? Vor allem diese: Die Natur kann ihre Fantastik nicht verlieren, ihre „Magie“ und ihre Rätsel können uns aber helfen, unseren Geist zu vertiefen. Auch für die zeitgenössischen Künstler haben die Arcimboldos Kompositbilder eine klare Botschaft: Die Kunst wird immer die Kunst der (hemmungslosen) Beobachtung bleiben.  …   Aber es gibt auch hier die sprichwörtliche andere Seite der Medaille. Die prächtigen Wunderkammern, kostbare Schatzkammer und die fantastischen Gemälde dienten damals auch anderen Zwecken. In der Spätrenaissance war die Malerei tief in die Machtspiele der Herrschereliten verwickelt. Arcimboldo war im Dienst von drei Habsburger Kaisern in Wien und Prag. Auch diese Herrscher wollten ihre Machtansprüche durch überspitzte Prachtentfaltung zur Schau stellen. Arcimboldo lieferte alles, was dafür nötig war. Er gestaltete Festumzüge, die zu besonderen Anlässen wie Vermählungen oder Friedensschlüssen abgehalten wurden, als Maître d’Amusement organisierte und ausstattete er Feste, stellte die Kunstkammer des Kaiserhofs zusammen, gestaltete traumhafte Wagen, märchenhafte Kostüme und Dekorationen, ließ darin Fantasie- und Fabelwesen auftanzen; Drachen, Einhörner, Dämonen und Göttinnen. Der Künstler als Teil der PR-Abteilung am Kaiserhof? Das war zu jener Zeit nicht nur nichts Ungewöhnliches, sondern die Frage des künstlerischen Prestiges. Dem Arcimboldo gefiel seine Stelle am Hof außerordentlich. Er stellte – ohne Auftrag – Kaiser Rudolf II. in einem lustigen Kompositbild als Vertumnus dar, als Gott des Wandels und der Fruchtbarkeit …  Fortsetzung folgt – bei Bedarf, in unserem Atelier – unsere Kurse fangen ja in wenigen Tagen an![/read]

 


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Stuttgart 1978

Bald eröffnet in der Galerie Oberwelt e.V. eine Ausstellung mit dem bemerkenswerten Titel „Stuttgart 1978„. Der Raum der Galerie wird von der Installation „15 ziemlich gleiche Wandkapellen“ des Stuttgarter Künstlers Kurt Grunow bespielt. Am Eröffnungsabend hält ein weiterer Künstler, Harry Walter einen Vortrag mit dem rätselhaften Titel „Drei erfolgreich gescheiterte Lebenswerke“.
Was haben wir hier zu erwarten? Ist es ein Joke, eine absurde Inszenierung, dadaistische Nonsenskunst oder doch eine tiefsinnige, „philosophische“ Kunst? Wie es auch kommen mag, die Ausstellung ist auf jedem Fall zu empfehlen, denn sie thematisiert die Geschichte dieses einzigartigen und für die Kunstszene unserer Stadt bedeutenden Ausstellungsortes.  Für die Besucher unseres Ateliers gibt es noch eine zusätzliche Motivation, die Galerie Oberwelt aufzusuchen – das könnte eine hervorragende Gelegenheit sein, den Künstler Kurt Grunow, den zukünftigen Fachbereichsleiter der VHS Stuttgart, kennenzulernen! Es ist eine wahre Seltenheit, dass ein Künstler Leiter des Fachbereichs künstlerisches Gestalten wird. Wir dürfen gespannt sein, wie sich dieser Umstand auf die Arbeit und die Organisation der Kurse in unserem Atelier auswirken wird.
Vernissage ist am Freitag, 21. September, (Eröffnungsvortrag vom Harry Walter beginnt um 19:00 Uhr)
Mehr Infos unter: http://www.oberwelt.de



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Der Jungbrunnen der Malerei

Neulich bekam ich wieder Mal tolle Werke von unserem Volker zu sehen. Das Thema seiner neuen Bilder – Energiebündel.  Den ganzen Sommer hat der Künstler mit seinen Enkelkindern verbracht, was klare Spuren in seiner Malerei hinterlassen hat! Das Spiel mit den Kindern kommentiert er in einer E-Mail so: „Das sind Energiebündel, es macht viel Spaß, man kann herrlich Blödsinn machen und mir fallen da schon so manche Sachen ein.“
Mit diesem Hintergrundwissen findet man in seinen neuen Bildern sofort das Unverwüstliche des Lebens und eine spiellustige Energie der Jugend, die uns eigentlich immer zur Verfügung steht und oft nur ein „Ventil“ braucht, um sich manifestieren zu können.  Volker ist zwar Großvater geworden, seine Bilder sind aber wahre bildnerische Spielwiesen seines wunderbar jung gebliebenen Geistes!

Ein Farbkreisel und ein lustiger Trabant
Feuerbälle im Zirkuszelt der Farben
Ich bin schneller als du …!
Eine „kalte“ Supernova, ein Tiefseefisch oder doch nur ein geplatzter Luftballon?
Die Artistik des Lichts …
Das letzte Spiel vorm Schlafengehen

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Linienscharen

Heute möchte ich euch auf die Ausstellung „Seiten / Räume“ von Linienscharen, einer 2012 ins Leben gerufene Plattform für zeitgenössische Zeichnung, aufmerksam machen. Das Ausstellungsformat ist ungewöhnlich, in einer Ausschreibung wurden KünstlerInnen gebeten, ein Buchprojekt im Sinne eines Künstlerbuchs einzureichen, das an verschiedenen, nicht nur für bildende Kunst typischen Orten, einer breiteren Öffentlichkeit zugängig gemacht werden soll.

12.9. – 23.09.2018; WKV (württembergischer Kunstverein) Stuttgart, Querungen
19.9., 19 Uhr: Wege | Begegnungen 

9.10. – 19.10.2018; Stadtbibliothek am Mailänder Platz, Graphothek
11.10., 19 Uhr Café LesBar: Zeichen | Spuren

22.10. – 4.11.2018; Schriftstellerhaus Stuttgart
22.10., 19 Uhr: Ströme | Sammlungen

Mehr Infos über die Linienscharen gibt es hier.
Es würde mich freuen, euch dort zu treffen!  Bis dahin ein paar zeichnerische Notierungen aus meinem Inseltagebuch.


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Tagebuch eines Zeichners


Im sommerlichen Zirkus der Linien

Viele Urlauber haben die Insel (Krk) schon verlassen, die Hitze dagegen ist geblieben. Aber wen juckt es?! Denn man ist hier vom Meer umgeben! Die blaue Tiefe des Raumes scheint hier, auch Hitze verschlucken zu können … Es reicht für ein paar Augenblicke die Möwen auf ihrem Flug über das Meer zu beobachten und schon erscheint im Geist eine schöne und durchaus kühle Gedanke „alles ist gut …“
Und es gibt Straßencafés! In einem von ihnen gibt es ein paar Tische unter der üppigen Baumkrone einer Inseleiche, die als einzige im Ort einen einigermaßen kühlen Schatten zu spenden vermag. Dort, eine sanfte Meeresbrise im Haar, sitz euer Atelierhausmeister, trinkt Kaffee und vergeht sich zeichnerisch an den ahnungslosen Gästen und Flaneuren um ihn herum.
Die Touristen geben zwar ein lustiges, buntes Bild des Sommers ab, aber seine Vorliebe gilt den Einheimischen! Sie sammeln sich praktischerweise in ihrer Stammkneipe direkt gegenüber, sodass er sie bequem und unbeobachtet beobachten kann.  Nur die Kellnerin beugt sich manchmal unauffällig über seine Schulter und schaut ihm beim Zeichnen zu. Sie verrät sich mit einem lauten Seufzer, wenn sich die porträtierende Person plötzlich umdreht und die Zeichnung deswegen unvollendet bleiben muss.  Dem Atelierhausmeister macht dies nichts aus, er sucht sich einfach ein neues Beobachtungsobjekt aus, denn im Zirkus seiner Linien zählt nur die Artistik der genauen Beobachtung. Ob vollendet oder fragmentarisch – die Skizze speichert das Leben, solange es beobachtet wird!
Und die Inselmenschen? Selbst wenn sie den Künstler bemerken, kümmern sie sich nicht um sein Geschäft. Für sie ist auch er bloß ein weiterer Fremder vom Festland, d. h. nur eine flüchtige Erscheinung des Sommers, ein Gespenst, eine sommerliche Fata Morgana, die jeglicher Wirklichkeit entbehrt.  Eine solche Haltung ist berechtigt. Bald wird hier gruselig leer sein. Der Ort, in dem 15 000 Touristen wohnen können, schrumpft im Herbst auf 1800 Einwohnern zurück und gibt eine traurige, deprimierende Kulisse der Verlassenheit ab …


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