Warum zeichnen?


Ja, warum zeichnen wir eigentlich? Warum benutzen wir nicht einfach unsere Smartphone-Kameras, wenn wir ein bewegendes Motiv erblicken? … Die Antwort eines*r Zeichners*inn könnte lauten: Weil man durch die Tätigkeit des Zeichnens ein Erlebnis gleichzeitig im Geiste auch als Erfahrung verbuchen kann! Mit anderen Worten: Wenn wir eine schöne, eine eindrucksvolle oder eine ganz herkömmliche Szene genau beobachten, erleben wir sie intensiver, sie dringt tiefer in uns, gibt uns mehr Auskunft über die Welt … und bleibt dauerhaft in Erinnerung!

Das zeichnerische Vietnam-Reisebuch von Michael ist eine Fundgrube solcher intensiven, lustigen Beobachtungen! Es freut mich sehr, dass Michael – nach ein paar Semestern Pause – bald wieder mit uns malen wird!


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Schnell langsam werden

Die Sonne steht wieder niedrig am Himmel, aber es ist noch warm genug, um vor einem Café sitzen zu können. Natürlich mit einem Zeichenblock! … Alles wirft schräge Schatten, sodass uns die Stadt und ihre Einwohner jahreszeitgerecht in der Formsprache der Melancholie erscheinen. … Ich gebe zu – in ein paar letzten Wochen habe ich alles, was sich verschieben liess, verschoben und mich gänzlich der zeichnerischen Beobachtung gewidmet. An solchen Tagen wird mit dem Bleistift in der Hand das Leben tatsächlich sehr schnell langsam, der Kopf klar und das Herz ruhig … Hier ein paar zeichnerische Schattenspiele von herbstlich sonnigem Arbeitsplatz des Künstlers (Marienplatz). …


 
Nächste Woche fängt das neue Semester in unserem Atelier an – ich freue mich schon jetzt darauf! … Und ich hätte wieder Lust 1, 2 Workshops mit dem Thema “Zeichnen” zu geben. Schreibt mir, falls ihr Interesse habt!

 

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Wandern mit dem Zeichenblock


Neulich, beim Wandern im Allgäu hatten wir leider wenig Glück mit dem Wetter. Aber unsere Hütte hatte einen angenehmen Aufenthaltsraum, es waren wenige Menschen unterwegs und es gab einen wunderschönen Blick auf die herbstlichen Waldszenen der gegenüberliegenden Berge! Dichter Tannenwald, Regendüfte, aufsteigende Nebelfahnen …  Was will man eigentlich mehr? … Ruhe, Stille, Einsamkeit – genau das Richtige nach der (brutalen) Sommerhitze in der Stadt! … Hier ein paar zeichnerische Notierungen.



 



 

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Linienscharen

Heute möchte ich euch auf die Ausstellung “Seiten / Räume” von Linienscharen, einer 2012 ins Leben gerufene Plattform für zeitgenössische Zeichnung, aufmerksam machen. Das Ausstellungsformat ist ungewöhnlich, in einer Ausschreibung wurden KünstlerInnen gebeten, ein Buchprojekt im Sinne eines Künstlerbuchs einzureichen, das an verschiedenen, nicht nur für bildende Kunst typischen Orten, einer breiteren Öffentlichkeit zugängig gemacht werden soll.

12.9. – 23.09.2018; WKV (württembergischer Kunstverein) Stuttgart, Querungen
19.9., 19 Uhr: Wege | Begegnungen 

9.10. – 19.10.2018; Stadtbibliothek am Mailänder Platz, Graphothek
11.10., 19 Uhr Café LesBar: Zeichen | Spuren

22.10. – 4.11.2018; Schriftstellerhaus Stuttgart
22.10., 19 Uhr: Ströme | Sammlungen

Mehr Infos über die Linienscharen gibt es hier.
Es würde mich freuen, euch dort zu treffen!  Bis dahin ein paar zeichnerische Notierungen aus meinem Inseltagebuch.


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Tagebuch eines Zeichners


Im sommerlichen Zirkus der Linien

Viele Urlauber haben die Insel (Krk) schon verlassen, die Hitze dagegen ist geblieben. Aber wen juckt es?! Denn man ist hier vom Meer umgeben! Die blaue Tiefe des Raumes scheint hier, auch Hitze verschlucken zu können … Es reicht für ein paar Augenblicke die Möwen auf ihrem Flug über das Meer zu beobachten und schon erscheint im Geist eine schöne und durchaus kühle Gedanke “alles ist gut …”
Und es gibt Straßencafés! In einem von ihnen gibt es ein paar Tische unter der üppigen Baumkrone einer Inseleiche, die als einzige im Ort einen einigermaßen kühlen Schatten zu spenden vermag. Dort, eine sanfte Meeresbrise im Haar, sitz euer Atelierhausmeister, trinkt Kaffee und vergeht sich zeichnerisch an den ahnungslosen Gästen und Flaneuren um ihn herum.
Die Touristen geben zwar ein lustiges, buntes Bild des Sommers ab, aber seine Vorliebe gilt den Einheimischen! Sie sammeln sich praktischerweise in ihrer Stammkneipe direkt gegenüber, sodass er sie bequem und unbeobachtet beobachten kann.  Nur die Kellnerin beugt sich manchmal unauffällig über seine Schulter und schaut ihm beim Zeichnen zu. Sie verrät sich mit einem lauten Seufzer, wenn sich die porträtierende Person plötzlich umdreht und die Zeichnung deswegen unvollendet bleiben muss.  Dem Atelierhausmeister macht dies nichts aus, er sucht sich einfach ein neues Beobachtungsobjekt aus, denn im Zirkus seiner Linien zählt nur die Artistik der genauen Beobachtung. Ob vollendet oder fragmentarisch – die Skizze speichert das Leben, solange es beobachtet wird!
Und die Inselmenschen? Selbst wenn sie den Künstler bemerken, kümmern sie sich nicht um sein Geschäft. Für sie ist auch er bloß ein weiterer Fremder vom Festland, d. h. nur eine flüchtige Erscheinung des Sommers, ein Gespenst, eine sommerliche Fata Morgana, die jeglicher Wirklichkeit entbehrt.  Eine solche Haltung ist berechtigt. Bald wird hier gruselig leer sein. Der Ort, in dem 15 000 Touristen wohnen können, schrumpft im Herbst auf 1800 Einwohnern zurück und gibt eine traurige, deprimierende Kulisse der Verlassenheit ab …


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