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Die Kunst des Kunstmachens


Julia als Serien-Junkie
Ein Beitrag von Julia L.


Ich liebe meine dicke Rolle Flies-Tapete! Seit ich sie besitze, bin ich völlig frei vom Druck ein Endziel zu erreichen. Seither gehe ich in Serie mit allem was ich male. Zum einen, weil mir nie so recht etwas einfallen will, das sich als Einzel-Bild zu verwirklichen lohnt und zum anderen, weil Željko sagt, das sei gut für uns – und er hat, wie immer, recht damit!



Schon im Sommerkurs habe ich es nicht über den Baum am Eingang der Ökostation hinaus geschafft. Ich habe ihn Stück für Stück erobert und zerlegt und wieder neu zusammengebaut. Zunächst mit Bleistift-Skizzen, dann in schwarz-weiß, um das Formgebende Hell-Dunkel zu verstehen und langsam dann in Farbe. Schritt für Schritt ist mir das Prinzip „Baum“ klarer geworden. Und je klarer es war, desto gröber, lockerer, einfacher konnte ich den Baum darstellen wie ich es wollte. Ich war überglücklich – auch wenn ich am Ende der Maltage wieder kein Oeuvre sondern ausschließlich gerollte Skizzen-Tapeten mit heim genommen habe.






Im nächsten Workshop vor ein paar Wochen hat Željko eine neue Technik gezeigt – die Monotypie. Diesmal teilte ich meine Tapete in einzelne Bereiche auf, um einen Druck neben den anderen zu setzen – fest entschlossen wieder ein Serienerlebnis zu wagen.


Erst nach dem neunten Druck war das Druckergebnis von mir steuerbar, natürlich noch mit reichlich Zufall gespickt, was ja eben den Reiz der Monotypie ausmacht, aber schon gelenkt mit beabsichtigten Effekten.

Auf einer Transparentfolie wird eine Form aus der Vorlage abgebildet („kopiert“) …
… dann legt man die Folie auf die entsprechende Fläche auf dem Bild …,
… druckt ein wenig und die Form ist als Monotypie, bzw. Druckgrafik auf dem Bild!
Die “Druckfehler” sind hier durchaus gewollt – es ist ein Spiel mit der Ungenauigkeit und Zufall, das eine Form erfrischt und die Arbeit inspiriert.
Wenn ich so hypnotisch in Serie gehe, kann ich gar nicht schnell genug arbeiten, um den spannenden Weg und die Entwicklung im Arbeiten zu erleben, zwei Tage reichen bei weitem nicht aus! Bei nächster Gelegenheit habe ich das neu entdeckte Druckverfahren genutzt, um Körper in Serie über meine Tapete tanzen zu lassen. Die Bewegungen der Figuren füllen sich eben durch den gesteuerten Fehler mit Leben – aufgeschwemmte Farbkleckse formen einen runden Po – ausgedünnte schwache Drucklinien deuten schnelle Bewegung an – hier ist das Ende der Experimente nicht in Sicht und trotzdem schaue ich das Ergebnis schon gerne an.


Obwohl als eine „Hilfstechnik“ gedacht – die Formexperimente öffnen viel Spielraum für bildnerische Erzählungen …!


Was passiert beim Serien-Malen? Der Lerneffekt ist unvermeidbar!
Wer sich in Serie begibt erfährt den lang gespannten Bogen zwischen Loslassen, Zulassen, Zuschauen, Aufgeben, Entdecken, Zügeln, Aneignen. Ein anstrengender aber zugleich faszinierender Vorgang. Dabei entsteht ein Dialog mit sich selbst: Handeln und Erleben, Vorschlag und Antwort, Wirken und Betrachten – in immer wiederkehrenden Zyklen. Durch diesen Prozess schält sich das Wesentliche heraus. Das Handwerkliche rutscht in die Selbstverständlichkeit und macht dem Bildnerischen Platz. Die eigene Gestaltungsidee wird immer klarer und am Ende vielleicht so einfach, dass mit wenigen Strichen das von Željko oft ausgerufene „ein Meisterwerk!“ gelingt – so jedenfalls meine Hoffnung.






Noch habe ich den Schritt von der Skizze zum Bild nicht gewagt – ich verharre einfach allzu gerne in diesem freien, ambivalenten und fordernden Schwebezustand der Serien. Meine Tapeten-Rolle ist dick genug um weiter zu machen, und weiter und nochmal und immer wieder weiter …

 

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Zwei Veranstaltungstipps


Weihnachten vorbei, Silvesterparty vorbei … und jetzt?! Hier zwei Tipps für das große Januar-Kulturloch!  Am 10.01. gibt es eine tolle Ausstellungseröffnung in der Galerie Oberwelt.


SALVATOR MUNDI – Altpapier Zeichnungen Sigrun Köhler / Böller und Brot


Die zweite Veranstaltung hat nicht direkt mit Kunst zu tun, hat uns aber im letzten Semester sehr bewegt: Am 15. Januar gibt es einen Vortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker in der VHS-Stuttgart! Das Thema ist „Wie können Demokratien mit dem Klimawandel fertig werden?“ … Ich werde sicher hingehen.

Mehr Infos über den Inhalt des Vortrags HIER

Kursnr.: 192-02850

Beginn: Mi., 15.01.2020, 18:00 – 19:30 Uhr

Kursort: TREFFPUNKT Rotebühlplatz

Gebühr: 8,00 € EUR 8.00/ EUR 0.00 Studierende/ Schüler/innen Karten an der Anmeldung im EG

[P.S. … mehr über das Thema „Klimawandel“ gibt es auch in unserem Blog unter: painters 4 future !]


 

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Bilder-Revue 2019

Das alte Jahr 2019 ist bald vorbei!

Schön war es mit euch, wir haben viel Spass miteinander gehabt, viel Neues ausprobiert und viele neue Themen behandelt. Wir sind sogar so weit gekommen, dass wir uns Schritt per Schritt den großen Kernfragen der Malerei gewidmet haben! Wir haben z. B. das zentrale Inspirationsfeld der bildnerischen Ideenentwicklung in unsere Arbeit integriert – die wunderbare Spielwelt der Skizze! … So werden wir jetzt auch einen neuen Themen-Workshop pro Semester haben – „Die Grundsprache der Malerei“ – zur Vertiefung und Erweiterung dieser u. ä. Themenbereiche


Es hat mir stets sehr viel Freude gemacht, mich mit euch der Kunst zu widmen! … Für das neue Jahr 2020 wünsche ich euch Glück und Gesundheit, viel Liebe und Inspiration – und eine schöne, bunte Silvesterparty! …

Ich schließe den letzten Beitrag mit einer Bilder-Revue 2019 ab – es ist beinahe unglaublich, wie viele fantastische Werke in unserem Atelier entstanden sind! (Ergänzend dazu das kleine Video über unser Atelier!)

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Weihnachtsgrüße

Liebe Blogleser,

letzte Woche haben wir in unserem Atelier sage und schreibe fünf Geburtstage gefeiert! Dazu hatten wir eine erlesene Weihnachtsstimmung gehabt, in der viel geplaudert, gescherzt und gelacht wurde. So enden unsere gemeinsamen Malabenden in diesem Semester – wie in einem Bilderbuch für gelungene Weihnachten!

Euer Atelierhausmeister wünscht euch wunderschöne, ruhige und besinnliche Weihnachten!

„Wintertraum“, ein Bild von Eberhardt …

 

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Tierisch gut …!

Es ist wieder an der Zeit, dass wir auch von unserer Kunstfraktion der figurativen Malerei unseres Ateliers berichten! Zu nächst die tierisch guten Bilder …


Die Schweine von Jutta – ein wahres Meisterwerk! Leicht und verspielt in einem famosen Flow an die Leinwand gebracht. Das Bild ist nicht folgenlos geblieben …
Ein weiteres Bild von Jutta, ein Rotkehlchen heiter und mit wenigen Pinselstrichen zu Leben erweckt …!
Juttas Schweine haben sofort Simone begeistert – hier ihre Version: das gleiche Motiv, aber die niedlichen Schweine sprechen hier eine ganz andere (bildnerische) Sprache … Wunderbar!
Auch Katrin wurde infiziert und hat ihr Lieblingstier aus ihrer Kindheit gekonnt skizziert. Ist das Bild fertig?
Erika hat ihre Landschaftsbilder vollendet und bewiesen, dass man erst durch Wiederholung eines Motivs den Raum, die Farbgebung und die Komposition wirklich „verstehen“ kann … Bravo!
Lora hat sich mit dem berühmten Nacht-Bild von van Gogh beschäftigt und hat seine bildnerische Welt zum wunderbaren Kunst-Spielzeug für drei Abende gemacht …
Die rätselhafte Frau von Angelika … Wen schaut sie sich mit ihren schlauen Augen an?
Dieses Porträtfragment von Petra kann nicht geheimnisvoller sein … Wer ist die schöne Dame im Abendkleid? … Farbig reduziert, und in grossen Teilen skizzenhaft gehalten, wirkt das Frauenbildnis wie eine Bildszene aus einem alten Melodrama-Film

 

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Das Spiel der Spurensuche


Kunst könnte man auch so definieren: Sie ist ein Spiel, in dem man eine Spur zugleich sucht und setzt. Und genau das haben viele Künstler*innen in unserem Atelier gemacht – sie haben sich auf eine endlose Spurensuche gemacht und dabei wunderbare bildnerische Erzählungen entdeckt!


Auf einem großen Format 35 kleine „Versuchsfädler“ – ein endloses Spiel mit bildnerischen Möglichkeiten! Die Arbeitsmethode besteht aus Experiment, Variation und einfache Ausgangspunkte (klein-groß, Kontrast, Bewegung, Rhythmus)
In jeder Reihe der gleiche Ausgangspunkt – der Rest ist ein Spurenspiel! (unten die grösseren Bilder)






Oder ein „Zufallsfundstück“ der Spurensuche, das mit 3 – 4 Pinselstrichen vollendet wird …


Eine Skizzenserie mit Monotypie …! Gibt es was schöneres als dieses Spiel mit Variationen?!
Jede „Kopie“ hat eine andere bildnerische Erzählung parat!
Nachdem man viele Skizzen gemacht und den „Flow“ gefunden hat, gelingt jeder Pinselaufstrich!
Landschaft, Tiere, Gesichter, Abstraktionen … alles auf dem engsten Raum in der Welt unserer Fantasie …



Die Arbeit mit Skizzen hat sich in unserem Atelier fest etabliert! Ich möchte auch an dieser Stelle betonen, dass sie die Hauptbeschäftigung jeder Künstlerin und jedes Künstlers ist!

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