Die verschleierte Grenze der Malerei


Eine der meistgestellten – und auch eine der wichtigsten – Fragen in unserem Atelier lautet


Wann ist ein BILD fertig?



Bei diesem spannenden Thema reden wir meistens von einem »Gefühl« oder von einer »Intuition«. Doch das reicht nicht aus. Was wir brauchen, ist eine geschulte bildnerische Wahrnehmung. Da sie bei jedem, der Malerei liebt, schon vorhanden ist, lässt sie sich gut ausbilden. Wir haben keine Schwierigkeiten, ein Gemälde in einem Atelier, einem Museum oder einer Galerie als „fertig“ zu sehen. Doch vor seiner Staffelei braucht man mehr Zeit – und mehr Erfahrung, bis man in der Lage ist, den Pinsel rechtzeitig beiseitezulegen. Denn ohne es zu wollen, überschreitet man eine „verschleierte“ Grenze – und ruiniert sein Bild …



Eine bekannte Methode, die bildnerische Wahrnehmung zu verfeinern, ist es, die Arbeit an seinem Bild immer wieder zu unterbrechen und es für ein paar Augenblicke einfach zu beobachten. Auch eine längere Pause kann sehr hilfreich sein. Man soll es sich dabei nach Möglichkeit gemütlich machen, sich einen Tee oder einen Kaffee machen, einen Stuhl ein paar Schritte vor der Staffelei stellen und den Blick – ohne Urteil, ohne Wertung – über das Bild wandern lassen. Oft merkt man dabei, wie gute Gestaltungsmöglichkeiten fast verspielt wären, und zwar nur, weil man zu schnell gearbeitet hat. Durch solche, entspannte Beobachtung eigener Arbeit – gern auch in der Gesellschaft eines Künstlerkollegen oder Dozenten – nimmt man viel leichter wahr, was das Bild eigentlich noch braucht und wie sich eine »Idee« am besten ausdrucken lässt. … Wenn man trozdem nicht weiterkommt, soll man das Bild  zur Seite legen und es einige Tage nicht betrachten!



Seine eigene Arbeit betrachten zu lernen, bedeutet Malerei zu studieren.



Das Hauptstudium der Malerei an einer Kunsthochschule besteht aus nur drei Tätigkeiten; Malen, Beobachten und natürlich Austausch mit anderen Künstlern. Denn nur so lernt man, wie sich eine Bildidee im Prozess herausbildet und welchen Weg man künstlerisch gehen soll, um eigene Malerei zu entwickeln. Nach einiger Zeit stellt sich eine wohltuende Sicherheit bei der Gestaltung ein und ein tolles Gefühl der Freiheit – die inneren Hemmungen sind abgebaut und man ist Herr seiner Kunst!


>>> „Wann ist ein Bild fertig?“ wird ein Zusatzthema in dem Workshop „Im Flow der Malerei“ am kommenden Wochenende sein ____ >>Anmeldung und weitere Infos HIER



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